Gerichtsberichte:

Anklage fordert mehr als vier Jahre Haft für Hansa-Fan

Mit Fußball hat der Prozess nur indirekt zu tun: Vor dem Landgericht Rostock geht es um Steinwürfe auf Polizisten. Einen besonders schweren Vorwurf gegen den angeklagten Fan des FC Hansa will die Staatsanwaltschaft nicht mehr aufrechterhalten.

Ein Fußball-Fan soll bei Spielen von Hansa Rostock mehrmals Polizisten angegriffen haben.
Arne Dedert/Symbolbild Ein Fußball-Fan soll bei Spielen von Hansa Rostock mehrmals Polizisten angegriffen haben.

Im Prozess gegen einen Rostocker Fußballfan hat die Staatsanwaltschaft am Montag eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten gefordert. Der 33-jährige Rostocker ist unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, weil er im April und November 2014 bei Spielen des FC Hansa mehrere Steine auf Polizisten geworfen und diese dabei verletzt haben soll. Einen weiteren Wurf mit einem gut zwei Kilogramm schweren Stein wertete die Anklage bisher als versuchten Totschlag, revidierte diese Einschätzung nun jedoch.

Im Prozess habe dem Mann keine Tötungsabsicht nachgewiesen werden können, weshalb aus Sicht der Anklage nur eine Verurteilung wegen mehrfacher gefährlicher Körperverletzung in Betracht komme. In der Forderung nach vier Jahren und neun Monaten Haft - auch wegen schweren Landfriedensbruchs und Verstößen gegen das Vermummungsverbot - sei bereits die über einjährige Untersuchungshaft und die lange Verfahrensdauer strafmildernd berücksichtigt worden, hieß es im Plädoyer. Die "zielgerichtete und hinterhältige" Tatausführung und die Vielzahl der Würfe seien dagegen strafverschärfend zu werten. Der Anwalt der Nebenklage, der den von dem Zwei-Kilo-Stein getroffenen Polizisten vertritt, schloss sich der Forderung des Oberstaatsanwalts an.

Deutliche Kritik an Gericht und Staatsanwaltschaft

Die Verteidigung des ehemaligen Schiffsoffiziers plädierte dagegen auf Freispruch. Erneut zog der Anwalt die Darstellung des Polizisten in Zweifel, dieser sei nach dem Treffer mit dem Stein benommen liegen geblieben und habe von einem Kollegen in Sicherheit gebracht werden müssen. Die Ergebnisse mehrerer Gutachten, die eine Identität des Angeklagten mit dem Steinewerfer auf Polizeivideos klären sollten, hätten die Täterschaft nicht belegen können, sagte er.

Auch die Zeugenaussagen eines ehemaligen Strafgefangenen, dem sich der Angeklagte in der U-Haft anvertraut und die Taten gestanden haben soll, wies er als "absolut unglaubhaft" zurück. Eine psychologische Gutachterin hatte den Zeugen nach Angaben des Verteidigers in einem anderen Verfahren als "pathologischen Lügner" bezeichnet. Anträge der Verteidigung, mit denen weitere Angaben des Zeugen überprüft werden sollten, hatte das Gericht zu Beginn des Verhandlungstages als unbegründet abgelehnt.

Mit teils deutlichen Worten kritisierte der Anwalt die Staatsanwaltschaft und das Gericht. Die U-Haft des Angeklagten von Dezember 2014 bis Januar 2016 sei mehrfach wegen Fluchtgefahr und seiner politisch linken Einstellung gerechtfertigt worden. Der Anwalt warf dem Gericht die Verfolgung aufgrund einer bestimmten politischen Gesinnung vor. Am Donnerstag sollen die Schlussvorträge mit dem Plädoyer des zweiten Verteidigers fortgesetzt werden. Das Urteil wird für den 2. Mai erwartet.

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