Nach Polizei-Schuss auf Autofahrer:

Anwalt hält MEK-Einsatz für übertrieben

Nach dem Polizei-Einsatz in Lutheran wendet sich der Anwalt des Opfers an den Innenminister. Einzelne Polizisten seien offensichtlich "außer Rand und Band" geraten, schreibt er.

Bei dem Einsatz wurde ein Mann lebensgefährlich am Kopf von einem Schuss verletzt.
Michael-Günther Bölsche Bei dem Einsatz wurde ein Mann lebensgefährlich am Kopf von einem Schuss verletzt.

Der Schuss eines Hamburger Polizisten auf einen Autofahrer in Lutheran bei Parchim zieht weitere Kreise. Der Anwalt des Opfers bat Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Mittwoch in einem Schreiben, auf die verantwortlichen Hamburger Behörden einzuwirken, "um weitere gefährliche Einzelaktionen zu verhindern". Offensichtlich seien einzelne Polizisten "außer Rand und Band geraten", schreibt Rechtsanwalt Benjamin Richert.

Am vergangenen Freitag hatte ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) aus Hamburg ein Auto mit zwei jungen Männern im mecklenburgischen Lutheran eingekeilt, weil darin ein per Haftbefehl gesuchter Mann aus der Rotlichtszene vermutet wurde. Der Gesuchte war aber nicht in dem Wagen, der der Mutter des Gesuchten gehört und den sich die beiden jungen Männer ausgeliehen hatten. Ein Polizist schoss auf den Fahrer, wohl in der Annahme, dieser wolle flüchten.

Kein strafbares Verhalten des Gesuchten?

Zwei Tage zuvor hatte ein Einsatzkommando aus Mecklenburg-Vorpommern im nahen Plau drei Bauarbeiter überwältigt, weil man den Gesuchten unter ihnen vermutete. Nach dem Mann wird gefahndet, weil er eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten wegen Körperverletzung nicht angetreten hat. Richert hält die Aktionen für übertrieben. Der Gesuchte sei kein Terrorist und kein Geiselnehmer, schreibt er. "Der Nichtantritt einer Haftstrafe ist nicht einmal strafbar." Der Gesuchte habe zuvor einen Antrag auf Haftaufschub gestellt, der abgelehnt worden sei.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin gegen das 27-jährige Schuss-Opfer aus Mecklenburg, das laut Richert am Mittwoch noch im Koma lag, nannte der Anwalt in seinem Schreiben zynisch.

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