Auf in die City:

Anziehungskraft der kurzen Wege wirkt auch im Nordosten

Die Romantik des Landlebens hat offenbar ausgedient. Auch im Nordosten ziehen Städte neue Einwohner an.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist der Trend zur Urbanisierung spürbar. Die größten Wanderungsgewinne verzeichnete Rostock in den vergangenen Jahren.
Bernd Wüstneck Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist der Trend zur Urbanisierung spürbar. Die größten Wanderungsgewinne verzeichnete Rostock in den vergangenen Jahren.

Der Nordosten hat vieles, große Städte hat er nicht: In der Liste der 76 einwohnerstärksten Städte Deutschlands tauchen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg genau zwei Mal auf. Rostock und Potsdam landen jedoch nur auf den Plätzen 38 und 47. Das Phänomen der Urbanisierung - also der Wanderung von Menschen vom Land in die Städte - ist aber auch hier zu beobachten.

"Wir sind schließlich keine Insel", sagt Thomas Deiters, kommissarischer Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages MV. "Den Trend der Urbanisierung erleben wir auch, gerade bei den jüngeren Leuten und dort speziell bei Frauen", erklärt er weiter. In MV würden davon insbesondere die Städte Rostock und Greifswald profitieren, auch Hochschul-Standorte bleiben attraktiv. Angetrieben werde die Zuwanderung in die Städte vor allem durch die dort bestehenden Versorgungsstrukturen. Davon profitierten auch kleinere Zentren.

Bessere Versorgung häufigster Grund

"Die Wanderungen in die Städte finden auf allen Ebenen statt, nicht nur in Großzentren wie Hamburg, Berlin oder München", bestätigt Peter Dehne. Der Professor für Planungs- und Baurecht an der Hochschule Neubrandenburg macht mit Blick auf die Entwicklungen in Mecklenburg-Vorpommern und auch der Uckermark einen "Trend zur Zentralisierung und Re-Urbanisierung auch im kleineren Maßstab" aus. Dieser werde vermehrt auch von älteren Leuten angetrieben. "Ihnen geht es in erster Linie um Versorgungsstrukturen", erklärt Dehne. Die nächste Arztpraxis oder Einkaufsmöglichkeit sei in Städten eben fast immer näher als im Dorf oder auf dem Land.

Regionalisierte Statistiken zur Urbanisierung im Nordosten gibt es zwar nicht, dafür liefern Daten der Statistischen Landesämter Hinweise auf die beschriebenen Bewegungen. So konnten in MV am Ende des Jahres 2013 Rostock und Greifswald auf die größten Wanderungsgewinne im Vergleich zum 31. Dezember 2012 verweisen, dicht gefolgt von Schwerin. Deutlich geringer waren die Zugewinne in Neubrandenburg. Immerhin war das Wanderungssaldo mit 28 Menschen positiv. Das konnten die allermeisten Landgemeinden nicht von sich behaupten. Die Mecklenburgische Seenplatte verlor 570 Einwohner in 12 Monaten allein durch Abwanderung. In der Uckermark scheint die Urbanisierung ohnehin weit fortgeschritten. Von den insgesamt 121000 Einwohnern des Landkreises wohnen zwei Drittel in den Städten Angermünde, Schwedt, Prenzlau und Templin. Im Vergleich der Jahre 2011 und 2013 verloren jedoch alle Gemeinden des Kreises Einwohner, insgesamt waren es 2450 Menschen.

 

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Kommentare (1)

Der "Trend zur Zentralisierung und Re-Urbanisierung" ist leider das Ergebnis geplanter und angewandter Politik u.a. im MV-tut-gut-Land. Hier ist auch der Agrarsektor ein Profiteur der Industriealisierung 4.0. Daraus resultiert nicht zuletzt die schlechtere Versorgung der Einwohner außerhalb urbaner Ballungszentren. Dass der häufigste Grund für die Landflucht der immer älteren Menschen in dieser Umgestaltung der Kulturlandschaft, einschließlich ihrer sozialen Komponenten besteht, braucht Professor Dehne nicht weiter verbergen. Denn weltweit müssen Einwohner ihre Heimat verlassen, weil dort erneuerbare Energien für das moderne Leben erzeugt und exportiert werden. Der rasante Artenrückgang in der Natur hat in der Regel mit dem Verschwinden von Lebensraum zu tun. Das gilt zum Glück auch für unsere Menschen, die daraus das lernen könnten, was ihnen ansonsten verschleiert wird.