Vorgetäuschte Straftat:

Asylbewerber hat Überfall erfunden

Die Abschiebung eines jungen Mannes aus Ghana hatte heftige Kritik hervorgerufen, weil der Mann Opfer eines Überfalls gewesen sein soll. Doch den Angriff hat es nicht gegeben, wie die Staatsanwaltschaft jetzt mitteilte.

Der Mann wurde inzwischen nach Italien abgeschoben. Nun ermitteln die Behörden gegen ihn.
Christian Charisius Der Mann wurde inzwischen nach Italien abgeschoben. Nun ermitteln die Behörden gegen ihn.

Sechs Wochen nach dem vermeintlich rassistisch motivierten Angriff auf einen 20-jährigen Asylbewerber in Schwerin hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt. Für die Behörde bestehe nach Abschluss der Nachforschungen "der hinreichende Verdacht", dass der junge Ghanaer den Überfall erfunden hat, um der drohenden Abschiebung zu entgehen.

Gegen den 20-Jährigen werde nun wegen des Verdachts auf Vortäuschen einer Straftat ermittelt, teilte die Schweriner Staatsanwaltschaft am Freitag weiter mit.

Nach Italien abgeschoben

Der inzwischen nach Italien abgeschobene Mann hatte laut Staatsanwaltschaft kurz vor Weihnachten angegeben, dass ihn drei unbekannte Männer verfolgt, mit einem Baseballschläger angegriffen und ihm seine Brieftasche mit den Worten "Ausländer raus" weggenommen hätten. Im Laufe der Ermittlungen ergaben sich laut Staatsanwaltschaft aber Zweifel an den Schilderungen des vermeintlichen Opfers.

So habe die Kontrolle der Telefonverbindungsdaten gezeigt, dass der Mann im fraglichen Zeitraum nicht, wie behauptet, den Notruf der Polizei gewählt, sondern länger mit einer Frau gesprochen hat. Zudem passten die geschilderten Gewalteinwirkungen nicht zum rechtsmedizinisch festgestellten Verletzungsbild und zur Spurenlage.

Unklar, wie es weitergeht

Wie das Verfahren gegen den abgeschobenen Ghanaer weitergeführt wird, ist noch unklar. "Wir wissen noch nicht, wie wir damit umgehen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es gebe mehre Möglichkeiten. Unter anderem könne das Verfahren gegen ihn an ein anderes Land abgegeben werden. Sehr unwahrscheinlich sei dagegen, dass der Ghanaer nach Deutschland zurückgeholt werde.    

Die Abschiebung des 20-Jährigen hatte für Aufsehen im Land gesorgt. Der Opferhilfeverein Lobbi hatte die Ausweisung des 20-Jährigen in der Annahme, dass dessen Angaben stimmen, als "ungeheuerlich" kritisiert. Auch die Grünen kritisierten das Vorgehen.

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