Folgen des demografischen Wandels:

Auf den Bus kann man im Alter lange warten

In der Stadt fahren Busse häufig, auf dem Land wartet man manchmal über eine Stunde lang. Darunter leiden vor allem alte Menschen ohne Führerschein. Wie gut ist das Busnetz in unserer Region?

Senioren haben nicht immer Vorrang: Die meisten Busse in der Region fahren nur während des Schülerverkehrs.
Jens Büttner Senioren haben nicht immer Vorrang: Die meisten Busse in der Region fahren nur während des Schülerverkehrs.

Wer alt ist und in einem kleinen Dorf lebt, braucht einen Führerschein. Ohne Auto ist es in den ländlichen Regionen nur schwer möglich, die nächste Stadt zu erreichen. Denn die Busfahrpläne richten sich nicht nach der immer älter werdenden Bevölkerung – sondern nach dem Schülerverkehr.

Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) und das Verkehrsplanungsbüro „Plan mobil“ untersuchen derzeit, wie gut der Nahverkehr in Mecklenburg-Vorpommern ausgebaut ist. Ein erster Zwischenbericht unterstellt der Region empfindliche Mängel im Busverkehr, insbesondere mit Blick auf ältere Menschen.

Größere Städte wie Neubrandenburg, Greifswald oder Anklam sind nicht das Problem. Aber abseits der Zentren falle das Busangebot stark ab, sagt Difu-Experte Jürgen Gies. Oft fahren Busse dort nur zu schülertypischen Zeiten oder seltener als einmal pro Stunde. Am frühen Abend, ab 16 Uhr, kommt meist gar kein Bus mehr. Wer dann ins Nachbardorf will, um Bekannte zu besuchen, hat ohne Auto kaum eine Chance. Und am Wochenende gibt es meist überhaupt keine Busanbindung.

Kann ein landesweites Seniorenticket helfen?

Wie kann das Bus-Angebot für Ältere verbessert werden? Häufigere Abfahrtszeiten wären naheliegend, aber die Sache ist komplex. „Verkehrsmittel sind meistens nicht ausgelastet“, sagt Timo Barwisch vom Planungsbüro. Die andere Seite der Medaille: Nur wenige nutzen die zur Verfügung gestellten Busse. Die fahren dann lange Strecken für eine Handvoll Menschen. Da rentiert sich eine höhere Taktung kaum.

Barwisch schlägt deshalb ein landesweit gültiges Seniorenticket vor, um die Auslastung des Nahverkehrs zu erhöhen. Wenn ältere Menschen für einen bestimmten Betrag landesweit alle Busse nutzen könnten, so die Idee, würden sie das bestehende Angebot stärker annehmen.

Torsten Grahn, Chef der Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, hält davon wenig. „Die Erfahrung zeigt, dass sich solche Rabatt-Aktionen nicht lohnen.“ Bei einem Rabatt von 20 Prozent müssten zum Beispiel auch 20 Prozent mehr Fahrgäste mit den Bussen fahren, um die Kosten zu decken. Und das sei in dem am dünnsten besiedelten deutschen Bundesland kaum erreichbar.

„Den Bus nutze ich höchstens einmal im Jahr“

Es scheint, als habe sich der Großteil älterer Dorfbewohner ohnehin damit abgefunden, mit dem Bus nicht flexibel genug zu sein. Das bestätigen diverse Seniorenverbände aus Kleinstädten und Dörfern. Ilse Zippel vom Ortsverband Torgelow des Bundes der Ruheständler, Rentner und Hinterbliebenen ist meist mit dem Auto unterwegs. „Auch die anderen Senioren, die ich kenne, nutzen größtenteils das Auto“, sagt sie. Den Busfahrplan kennt sie gar nicht.

Monika Eger vom BRH-Ortsverein Grimmen bestätigt das. „Die Senioren aus Grimmen nutzen kaum Busse. Die meisten haben noch einen Führerschein oder fahren mit Bekannten mit.“ „Den Bus nutze ich höchstens einmal im Jahr“, sagt Horst Burmeister aus Tützpatz. Sonst ist er mit dem Auto unterwegs. Die meisten im Ort haben Bekannte, mit denen sie im Auto mitfahren – oder sie fahren selbst, auch im Alter noch.

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