Trockenobst für Bio-Läden:

Auf den Geschmack geschrumpft

Im ganzen Stück kommen die Äpfel an – als getrocknete Scheiben und Würfel verlassen sie die Anlage wieder. Der deutschlandweite Marktführer für Trockenobst produziert seine Ware bei Grimmen. Der Markt boomt. Nur das Internet macht Probleme.

Das sind einmal ganze Äpfel gewesen - Das Unternehmen Biosanica bei Grimmen hat daraus Bio-Trockenobst gemacht.
Stefan Sauer Das sind einmal ganze Äpfel gewesen - Das Unternehmen Biosanica bei Grimmen hat daraus Bio-Trockenobst gemacht.

Die Entkernungsanlage in der Biosanica Manufaktur spuckt einen Braeburn-Apfel nach dem nächsten aus. Kerngehäuse, Stiel und Blütenansatz des Apfels landen in einem Behälter, während der durchlöcherte Apfel zusammen mit anderen Artgenossen in Richtung Schneidewerk rollt.

Pro Schicht durchlaufen acht bis zehn Tonnen Bioäpfel die einzelnen Produktionsstationen bis zur Trocknung. Dort entzieht ein warmer Luftstrom dem Obst rund 85 Prozent seines Wassers – bis kleine, auf ihr Aroma konzentrierte getrocknete Apfelwürfel die Anlage verlassen.„Aus einem Kilogramm Apfel können rund 120 Gramm Trockenobst produziert werden“, sagt Produktionsleiter Sebastian Jacob. Nach der Restfeuchtemessung, der Kontrolle von Farbe, Geschmack und Knusprigkeit hebt Jacob den Daumen. Das Trockenobst kann portioniert und verpackt werden. Die standardisierte Qualitätskontrolle am Produktionsende soll langfristig die Qualität der Ware sichern.

400 Tonnen Äpfel allein im Oktober verarbeitet

Das Unternehmen am Pommerndreieck der Autobahn 20 hat erst vor einem halben Jahr mit der Produktion von Bio-Trockenobst begonnen und dafür seinen Firmensitz aus dem bayerischen Himmelstadt an die Küste verlegt. Für rund 3,8 Millionen Euro entstand an dem bislang leeren Gewerbestandort eine Produktionshalle mit Kühlhaus, Entkernungsmaschine und Trockenanlage. Rund 1,5 Millionen Euro davon waren Fördermittel.

Die Erwartungen seien mehr als erfüllt worden, berichtet Betriebsleiter Martin Nätscher in einer ersten Bilanz. „Allein im Oktober wurden mehr als 400 Tonnen Äpfel verarbeitet.“ Die großzügige Landesförderung, eingeschränkte Kapazitäten am früheren Firmenstandort und die Möglichkeit, in Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Produktionsstandort direkt an der Autobahn errichten zu können, hatten Nätscher bewogen, den Firmensitz an das Pommerndreieck zu verlegen. „In den vergangenen Jahren konnten wir die Nachfrage nicht mehr befriedigen“, blickt der Firmenchef zurück. Das Unternehmen arbeite jetzt mit der vierfachen Kapazität. „Lagerbestände konnten wir noch nicht aufbauen. Die Nachfrage ist derzeit riesig.“

Das Internet muss noch besser funktionieren

Biosanica ist deutschlandweit Marktführer in einem Nischenmarkt. Die getrockneten Apfelwürfel werden an Müsli-Hersteller, Bio-Tee- und Backwarenhersteller geliefert. Produkte wie Apfelchips und Apfelringe liegen in den Regalen von Bioläden und Supermarktketten.

Aktuell arbeiten 23 Mitarbeiter in dem Unternehmen, sieben mehr als beim Start veranschlagt. Eine zweite Trocknungsanlage soll in den kommenden Wochen in Betrieb gehen. „Umsatz und Produktionsleistung sind höher als erwartet“, sagt Nätscher. Für das Geschäftsjahr 2014 strebt das Unternehmen die Umsatzmarke von fünf Millionen Euro an. Entscheidend für den weiteren Erfolg sei die Rohstoffverfügbarkeit – der Nachschub an Bio-Äpfeln der B-Ware.

Die Braeburn-Äpfel, die derzeit die Anlage durchlaufen, stammen aus Südtirol. „Uns wäre lieber, wenn wir die Äpfel aus der Region beziehen könnten“, sagte Nätscher. Biosanica plant deshalb, ein Netz an regionalen Lieferanten aufzubauen, die mit langfristigen Verträgen gebunden werden sollen. Damit solle die Rohstoffverfügbarkeit stabilisiert werden und lange Lieferwege vermieden werden.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings am Gewerbestandort Süderholz. Die Internetverbindung sei noch sehr schlecht, sagt Nätscher. Dies habe die Bestellung von Rohstoffen und die Kommunikation in den ersten Monaten sehr erschwert. Die Gemeinde Süderholz plant inzwischen einen Glasfaseranschluss. „Wenn sich andere Unternehmen hier ansiedeln sollen, muss die Verbindung leistungsfähiger werden.“

Das neue iPad Pro mit Nordkurier digital: Hier geht's zum Angebot!