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Ausbildungsplätze warten noch auf Bewerber

Noch vor wenigen Jahren fanden Hunderte Schulabgänger im Land keinen Ausbildungsbetrieb. Doch inzwischen haben die Jugendlichen die Wahl. Und die Firmen müssen zusehen, wie sie Nachwuchs finden.

Den Geburtenknick nach der Wende bekommt zunehmend auch die Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns zu spüren. Lehrlinge werden knapp. Mehr als 4000 Ausbildungsplätze in Unternehmen, Handwerksbetrieben und Behörden sind nach Erhebungen der Arbeitsagentur Nord zu Beginn des Lehrjahres noch unbesetzt. Im Werben um den Berufsnachwuchs setzen Firmen auf verschiedene Strategien, wie eine Umfrage unter Unternehmern ergab. Nach Ansicht von Gewerkschaften und Arbeitsagentur haben aber noch längst nicht alle Unternehmer die Dramatik der Entwicklung erkannt.

„Geredet wird viel. Getan wird für die jungen Leute aber noch zu wenig“, konstatiert Jörg Dahms von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. In seinem Bereich sind die Nachwuchslücken am größten. Für 440 angehende Köche, 380 Restaurant- und 330 Hotelfachleute sind im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern noch Lehrstellen frei. „Und das hängt nicht nur damit zusammen, dass man arbeiten muss, wenn die Freunde frei haben und feiern“, berichtet der Gewerkschafter. In anderen Regionen und anderen Branchen erhielten Lehrlinge deutlich höhere Entgelte. Dazu gebe es kostenlose Unterkünfte oder Zuschüsse zum Fahrgeld. „Die Kosten dafür fressen das oft geringe Lehrlingsentgelt hier im Land schon zum Teil wieder auf.“

Löhne im Bundesvergleich zu niedrig

„Der Mangel an Bewerbern ist bundesweit ein Problem in unserer Branche“, hält Matthias Dettmann, Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), entgegen. Die Hotellerie in Mecklenburg-Vorpommern habe reagiert und die Lehrlingslöhne erhöht. Dennoch bleiben die Entgelte im Bundesvergleich am unteren Rand. Nach Überzeugung Dettmanns ist das aber nicht entscheidend für die Berufswahl: „Wir haben inzwischen mehr junge Leute aus anderen Bundesländern, die in unseren Hotels lernen, als Schulabgänger, die es zur Ausbildung in andere Länder zieht.“

Selbst Stellen in Traumberufen bleiben frei

14 Prozent der Firmen locken mit erhöhtem Lehrlingsentgelt, 8 Prozent mit Prämien oder Fahrtkostenzuschüssen. Nach Überzeugung von Kammergeschäftsführer Edgar Hummelsheim ist das Handwerk lukrativ. „Junge Menschen haben gute Perspektiven in der eigenen Heimat“, betont er. Noch aber sind 317 Stellen unbesetzt, darunter einstige Traumberufe wie Kfz-Mechatroniker.

Seit 2007 haben sich die jährlichen Schulabgängerzahlen im Land von gut 20 000 auf etwa 10 000 halbiert. Allein wegen dieser Entwicklung sind die Unternehmen nach Überzeugung von Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Arbeitsagentur Nord, zu neuen Wegen bei der Fachkräftesicherung gezwungen. „Auch sogenannte Spätstarter, also Menschen zwischen 25 und 35 ohne Berufsabschluss, müssen eine Ausbildungschance bekommen“, mahnt sie. In Mecklenburg-Vorpommern betreffe das 7600 Menschen. Haupt-Koopmann appelliert an Firmen, auch Jugendliche mit schlechteren Noten zu berücksichtigen: „Bitte keine Entscheidung nach Aktenlage. Schauen Sie sich den Jugendlichen an, zum Beispiel in den von uns geförderten Langzeitpraktika.“