Fall Hubert Z.:

Prozess gegen 95-jährigen Auschwitz-Sanitäter vertagt

Mehr als 70 Jahre nach seinem Einsatz im Konzentrationslager Auschwitz soll sich ein heute 95-Jähriger vor Gericht verantworten. Zu Beginn ging es um die Verhandlungsfähigkeit des ehemaligen SS-Sanitäters.

Gefragter Gesprächspartner: Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees.
Frank Wilhelm Gefragter Gesprächspartner: Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees.

Am Landgericht Neubrandenburg hat am Montag der Prozess gegen den 95 Jahre alten ehemaligen SS-Sanitäter Hubert Z. aus dem KZ Auschwitz begonnen. Gleich zu Beginn gab es eine Überraschung. Laut ärztlichem Attest ist der Angeklagte transport- und verhandlungsunfähig. Eine Bereitschaftsärztin habe Bluthochdruck und Suizidgefahr festgestellt. Zudem hatte er sich einige Tage vorher den Arm gebrochen. Ein Amtsarzt soll noch am Montag die Angaben überprüfen. Der Prozess wurde daraufhin vertagt.

Hubert Z. wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen. Zum Prozessauftakt sind zwei Gutachter geladen, die den jetzigen Gesundheitszustand des Mannes beurteilen sollen. Daran will die Schwurgerichtskammer ihre Prozessplanung orientieren.

Gesundheitszustand verzögerte Prozess

Der frühere SS-Sanitäter soll von Mitte August bis Mitte September 1944 in Auschwitz-Birkenau stationiert gewesen sein. In der Zeit seien dort 14 Deportationszüge angekommen. Aus diesen Zügen sind laut Anklage 3681 Menschen in den Gaskammern umgebracht worden.

Die Verteidigung bestreitet eine Schuld ihres Mandanten. Gegen den Mann aus einem Dorf bei Neubrandenburg wird seit 2014 ermittelt. Streit um seinen gesundheitlichen Zustand hatte den Prozess mehrfach verzögert.

Ähnliche Verfahren gegen ehemalige SS-Angehörige liefen am Landgericht Lüneburg (Niedersachsen) oder werden noch verhandelt in Detmold (Nordrhein-Westfalen), Hanau (Hessen) und Kiel (Schleswig-Holstein).

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Kommentare (3)

Dieser Prozess ist völlig überflüssig. Einem Angeklagten muss man nach geltendem Recht die Schuld nachweisen. Hier bei diesen Prozessen,hat man das Gesetz geändert so ist jeder Schuld,der in einem Lager tätig war. Was für eine seltsame Rechtsprechung ! Diese Prozesse würde es nach so langer Zeit nicht geben,wenn nicht jüdische Organisationen Druck gemacht hätten.

Das stimmt so nicht. Es wurde kein Gesetz geändert! Nach dem Demjanjuk-Urteil 2011 änderte sich vielmehr die Rechtsauffassung von Staatsanwaltschafen und Gerichten. "Nach dem Münchner Urteil genügt allein die nachweisliche Anwesenheit als SS-Mitglied, um den Straftatbestand der Beihilfe zum Mord zu erfüllen. Das hatten deutsche Gerichte bis zum Urteil gegen Demjanjuk stets anders gesehen", schrieb beispielsweise die Welt 2011. Die Behauptung, dass jüdische Organisationen Druck gemacht hätten, müsste auch belegt werden. Das klingt doch eher nach kruder jüdischer Verschwörungstheorie.

Darum geht es in diesem und ähnlichen Fällen die jetzt vor Gericht kommen. Es ist schon ein großes versagen der Jutiz in Deutschland das erst soviel zeit verstreichen muss bis die Täter vor Gericht kommen. Für die Opfer und deren Angehörige ist es die letzte Chance auf Gerechtigkeit. Es muss jeden jetzt klar sein das alle Helfer des NS-Zeit wegen ihrer Beihilfe vor Gericht kommen können.