Ex-SS-Sanitäter vor Gericht:

Auschwitz-Prozess verzögert sich

In Neubrandenburg musste sich heute wieder ein 95 Jahre alter Ex-SS-Sanitäter vor Gericht verantworten.  Jetzt gibt es aber neue Befangenheitsanträge gegen den Vorsitzenden Richter.

Nach gerade mal 90 Minuten war die Verhandlungen im Neubrandenburger Auschwitz-Prozess am Montag beendet.
S. Weirauch Nach gerade mal 90 Minuten war die Verhandlungen im Neubrandenburger Auschwitz-Prozess am Montag beendet.

Der Neubrandenburger Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter aus dem Konzentrationslager Auschwitz verzögert sich erneut. Gründe sind mehrere neue Befangenheitsanträge der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger gegen den Vorsitzenden der Schwurgerichtskammer am Landgericht, Klaus Kabisch. Der Richter vermittle den Eindruck mangelnder Objektivität, erklärte Staatsanwalt Thorsten Kopf am Montag am Landgericht. Die Kammer beendete die Verhandlung gegen den 95 Jahre alten Angeklagten, der wieder im Rollstuhl erschienen war, nach knapp 90 Minuten.

Dem ehemaligen Landarbeiter aus der Nähe von Neubrandenburg wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen. Der Angeklagte war ab Mitte August 1944 einen Monat im KZ Auschwitz-Birkenau als SS-Sanitäter tätig.

Fortsetzung innerhalb von drei Wochen

Wie ein Gerichtssprecher erklärte, muss nun erst über die drei Befangenheitsanträge entschieden werden, bevor ein neuer Termin festgelegt werde. Die ursprünglich für Montag geplante Beratung mit Gutachtern über die eingeschränkte Verhandlungsfähigkeit des 95 Jahre alten Angeklagten fand nicht statt. Die Gesundheit des betagten Angeklagten bestimmt seit Monaten das Verfahren.

Die nächste Fortsetzung des Prozesses soll wegen der Fristen in der Strafprozessordnung innerhalb von drei Wochen, also bis zum 10. Oktober stattfinden. Sonst muss der Prozess ganz neu beginnen. Zuvor hatte das Landgericht einen ersten Befangenheitsantrag eines Nebenklägers, dem sich die Staatsanwaltschaft angeschlossen hatte, als „unbegründet“ abgewiesen.