Ermittlungen auf Rügen:

Baby wohl schon länger misshandelt

Erst vor Kurzem zog die Familie mit ihren drei Kindern von Brandenburg nach Rügen. Dort soll der Vater seine drei Monate alte Tochter misshandelt haben. Er sitzt in U-Haft und bestreitet die Tat. Die Staatsanwaltschaft prüft nun auch Ermittlungen gegen die Mutter.

Das Baby, das mit schweren Verletzungen in das Universitätsklinikum Greifswald eingeliefert wurde, ist nach ersten Erkenntnissen der Ermittler schon früher misshandelt worden.
Stefan Sauer Das Baby, das mit schweren Verletzungen in das Universitätsklinikum Greifswald eingeliefert wurde, ist nach ersten Erkenntnissen der Ermittler schon früher misshandelt worden.

Im Fall des offenbar misshandelten Babys aus Dranske auf Rügen gibt es Hinweise auf frühere Vorfälle. „Wir gehen davon aus, dass einige Verletzungen bereits älter sind“, sagte der Stralsunder Staatsanwalt Ralf Lechte, am Donnerstag. Das drei Monate alte Baby war am Dienstag mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem der Vater den Notarzt gerufen hatte.

Neben massiven Schwellungen am Kopf und Oberkörper habe das Kind Schädel-Hirnverletzungen, ein sogenanntes Schütteltrauma. Der 34-jährige Vater des Kindes sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Er bestreitet die Tat, sagte Lechte.

Das Baby schwebt weiter in Lebensgefahr. Der Zustand werde noch immer als lebensbedrohlich eingestuft, sagte eine Polizeisprecherin.

Haftbefehl erlassen

Das Amtsgericht Bergen hatte Haftbefehl wegen der gefährlichen Körperverletzung in zwei Fällen erlassen. Es werde geprüft, ob strafrechtliche Ermittlungen gegen die Mutter eingeleitet würden, sagte Lechte. Befragungen im Umkreis der Familie sollten am Donnerstag fortgesetzt werden.

Die aus dem Land Brandenburg stammende Familie mit insgesamt drei Kindern wohnt erst seit wenigen Monaten in Dranske auf der Insel Rügen. Die Mutter soll dort eine Ausbildung in der Hotelbranche begonnen haben. Der Vater hatte sich währenddessen um die drei Kinder gekümmert. Die beiden älteren Geschwister sind dreieinhalb und zwei Jahre alt.

Geschwister in Obhut der Mutter

Die beiden Geschwister befinden sich weiter in der Obhut der Mutter, die in engem Kontakt mit dem Jugendamt stehe. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Verletzungen bei den älteren Kindern. Die Familie sei bislang nicht auffällig gewesen, sagte der Sprecher des Landkreises Nordvorpommern, Olaf Manzke. „Wir sind ganz nah dran an der Familie.“ Sollten sich neue Ermittlungsergebnisse ergeben, werde das Jugendamt darauf reagieren.

Kinderschutzbund: Väter auf Kleinkind-Betreuung schlecht vorbereitet

Martina Rathke sprach mit dem Landesgeschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes, Carsten Spies, über die Belastungen von Vätern bei der Kleinkind-Betreuung.

Die Betreuung von Kleinkindern kann mitunter anstrengend sein. Sind Väter dabei ungeduldiger und weniger belastbar als Mütter? 

Die Fälle wiederholen sich immer wieder, dass Väter mit Kindern schnell überfordert sind. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch Müttern passiert.

Reagieren Männer eher mit Gewalt gegen ihre Kinder als Mütter?

Väter sind auf die Erziehung von Kleinkindern bislang nicht oder schlecht vorbereitet. In Deutschland entsteht ein Familienbild, in der Mütter und Väter gleichermaßen Verantwortung übernehmen und sich den Familienalltag aufteilen. Die Gesellschaft, Schulen und Kindertagesstätten müssen künftige Väter auf diese Rolle besser vorbereiten. Bislang geschieht das zu wenig.

Was sollten Eltern tun, wenn sie spüren, dass ihnen eine Situation aus dem Ruder zu laufen droht, sie in kritische Belastungssituationen geraten?

Sie sollten dann schnellstens Unterstützung suchen, entweder im familiären oder nachbarschaftlichen Umfeld oder bei Beratungsstellen wie Familienzentren oder Mehrgenerationenhäuser. Die Jugendämter müssen neben der Kontrolle viel stärker im präventiven Bereich tätig werden. Das kommt bislang zu kurz. Ich möchte auch an Nachbarn appellieren. Sie sollten Hilfe anbieten, wenn sie sehen, dass Familien stark belastet sind.

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