Teller oder Tank:

Backhaus nimmt Maissünder aufs Korn

Auf der Agrarmesse Mela hat sich der Bauerntag mit den Folgen der verstärkten Erzeugung vom Bioenergie beschäftigt. Vor allem der konzentrierte Anbau von Mais bleibt ein Zankapfel.

Der Maisanbau bringt eine Reihe Probleme mit sich.
Patrick Seeger Der Maisanbau bringt eine Reihe Probleme mit sich.

„Wir haben das mit dem Mais nicht im Griff“, schimpft Udo Lenz. Der Einwohner aus Warnow bei Güstrow sieht sich von Mais umzingelt, seit in einem Nachbarort ein große Biogasanlage entstanden ist, die mit der Feldfrucht „gefüttert“ wird. Seit der Betrieb von einem Investor übernommen wurde, werde Jahr für Jahr auf den gleichen Standorten Mais angebaut, um daraus Energie zu gewinnen.

„Das ist doch pure Monokultur“, kritisiert er. Niemand brauche sich wundern, wenn so die Böden ausgelaugt und im wahrsten Sinne des Wortes verweht werden. „So kann man das schönste Bundesland der Welt auch ruinieren“, spielt er auf die von Landwirtschaftsminister Till Backhaus regelmäßig verwendete Bezeichnung für Mecklenburg-Vorpommern an. Der SPD-Politiker hört Lenz beim Bauerntag auf der Agrarmesse Mela in Mühlengeez bei Güstrow aufmerksam zu. Auf Landessicht gesehen werde in Mecklenburg-Vorpommern nicht zu viel Mais angebaut, reagiert Backhaus. „Wir haben so lange kein Problem, wie die Fruchtfolge eingehalten wird“, betont er. Allerdings komme es „punktuell“ vor, dass im Umfeld von Biogasanlagen zu viel Mais auf den Feldern stehe. Als „Wahnsinn“ bezeichnet er die „Monsteranlage“ in Güstrow, in der in 42 „Pötten“ Gas erzeugt werde. „Wir haben die Betriebe auf dem Kieker“, warnt er. Werde die Fruchtfolgenicht eingehalten, gebe es Auflagen. Der Minister plädiert dafür, mehr als bisher Reststoffe zur Energieerzeugung zu nutzen – vor allem Stroh werde bisher unterschätzt.

BUND-Chef Hubert Weiger hält die Nutzung von Mais als Energiepflanze nicht grundsätzlich für verwerflich. Allerdings seien für die Akzeptanz Art und Umfang des Anbaus entscheidend. „Wenn Arten- und Pflanzenreichtum erhalten bleiben, wird niemand etwas dagegen haben“, glaubt er. Zu viel Monokultur führe zur Überdüngung der Böden. Die in großen Mengen ausgebrachte Gülle belaste das Grundwasser und verschlechtere den Zustand der Ostsee.

Nach Berechnungen des Schweriner Agrarministeriums kommen im Land um die fünf Prozent der erzeugten Biomasse in den Tank und nicht auf den Teller. Selbst dieser scheinbar kleine Anteil hat Folgen: Laut Backhaus explodieren nicht zuletzt wegen der Energiewende die Bodenpreise. Würden heute bis zu 50 000 Euro für den Hektar  geboten, habe dieser Wert nach der Wende bei höchstens 800 D-Mark gelegen. Dass Energie aus Bio-Rohstoffen die Produktion von Lebensmitteln nur ergänzen sollte, bleibt auf dem Bauerntag unwidersprochen. Ebenso, dass weltweit wachsender Bedarf an Fleisch und Milcherzeugnissen und Energiehunger die Preise fürNahrungsmittel ansteigen lassen. Die Folgen spürt Rene Knapek von den Anklamer Fleisch- und Wurstwaren, der auf der Mela hinter dem Verkaufstresen steht. „Die Kunden werden wählerischer und achten schon ein bisschen mehr auf Qualität“, berichtet er.

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