Freikarten für die Hengstparade:

Backhaus verteidigt Einladung für Wahlhelfer

Seit Wochen hat Agrarminister Backhaus Ärger mit der Justiz. Jetzt hat er als nette Geste ehrenamtliche Wahlhelfer ins Landgestüt Redefin einladen. Die Opposition im Landtag reagiert mit Kritik.

Die Hengstparaden, 1935 als Leistungsschau für Züchter gestartet, locken inzwischen jedes Jahr bis zu 40.000 Besucher in das historische Gestüt im Südwesten Mecklenburg-Vorpommern.
Jens Büttner Die Hengstparaden, 1935 als Leistungsschau für Züchter gestartet, locken inzwischen jedes Jahr bis zu 40.000 Besucher in das historische Gestüt im Südwesten Mecklenburg-Vorpommern.

Eine Einladung der Wahlhelfer im Land zur Hengstparade ins Landgestüt Redefin hat Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) neuen Ärger eingebracht. Die Opposition aus Linken und Grünen warf ihm vor, damit nur sein eigenes Image aufbessern zu wollen, und das auf Kosten des Steuerzahlers. Der Minister wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück. Die Idee zur Einladung stamme aus seinem Ministerium, und er habe sie gut gefunden, sagte Backhaus der Nachrichtenagentur dpa. Anfang der Woche habe sich abgezeichnet, dass die letzte der drei Hengstparaden im Gegensatz zu den ersten beiden nicht ausverkauft sein würde. Etwa 2000 Karten seien noch vorhanden, 1000 würden erfahrungsgemäß noch an der Tageskasse verkauft.

Betriebswirtschaftlich begründet

So sei der Vorschlag entstanden, Wahlhelfer und deren Kinder einzuladen. Eine weitere Karte für einen Erwachsenen müsse gekauft werden. "Ich bin ein betriebswirtschaftlich denkender Mensch", sagte Backhaus. Auf diese Weise würden mehr Karten verkauft, die Gastronomie und auch die fliegenden Händler am Rande der Veranstaltung würden mehr Umsatz machen und im nächsten Jahr wiederkommen. Und natürlich seien volle Ränge schöner als halb leere. Es gibt knapp 5000 Sitzplätze in der Reithalle. An der Einladung der Wahlhelfer zu der Veranstaltung an diesem Samstag hält der Minister fest.

Backhaus sagte, gerade die Hengstparaden würden dem Gestüt Geld einbringen. Dass die letzte in diesem Jahr noch nicht ausverkauft gewesen sei, liege möglicherweise an dem Überangebot an Feiern und Erntedankfesten zurzeit. Zudem kosteten die Karten mit bis zu 25 Euro für eine vierköpfige Familie auch viel Geld.

Millionenstütze vom Land

Das Landgestüt muss jährlich mit 1,6 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt unterstützt werden. Backhaus verteidigte diese Ausgaben: "Das Landgestüt ist ein lebendes Denkmal." 44 Menschen seien dort beschäftigt. Keines der zehn Landgestüte in der Bundesrepublik arbeite kostendeckend. Der Minister verglich das Gestüt mit Theatern und Museen, die auch nicht wirtschaftlich zu betreiben seien.

Die Linksfraktion im Landtag hatte am Mittwoch die Einladung der Wahlhelfer kritisiert. Ihr innenpolitischer Sprecher Peter Ritter erklärte: "Nachdem in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen über Herrn Backhaus mehr im Zusammenhang mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und möglichen Verstößen gegen das Ministergesetz geprägt waren als von Leistungen des Ministers, soll nun offenbar das ramponierte Image aufpoliert werden."

Nach einem Streit mit einem Autofahrer ermittelt die Rostocker Staatsanwaltschaft gegen Backhaus wegen des Verdachts der Körperverletzung. Außerdem wurde gegen ihn eine Anzeige wegen des möglichen Verdachts der Steuerhinterziehung und des Prozessbetrugs eingereicht. Hintergrund ist ein Streit zwischen dem Minister und seiner ehemaligen Lebensgefährtin.

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