Mehrkosten:

Bauern lehnen Ferkel-Kastrationen nur durch Tierärzte ab

Der Bauernverband erwartet Nachteile für die deutschen Schweinehalter, wenn sie ihre männlichen Ferkel künftig nur noch mit Betäubung kastrieren dürfen. Der Verzicht auf die Kastration ohne Lokalanästhesie ist EU-weit nicht einheitlich geregelt.

Schweinehalter in Mecklenburg-Vorpommern appellieren an die Politik, Bauern die Betäubung bei der Ferkelkastration zu ermöglichen.
Jens Büttner Schweinehalter in Mecklenburg-Vorpommern appellieren an die Politik, Bauern die Betäubung bei der Ferkelkastration zu ermöglichen.

Schweinehalter in Mecklenburg-Vorpommern appellieren an die Politik, Bauern die Betäubung bei der Ferkel-Kastration zu ermöglichen. Ab 2019 dürfen in Deutschland die wenigen Tage alten männlichen Schweine nur noch mit Betäubung kastriert werden, um ihnen Schmerzen zu ersparen. Das würde deutsche Schweine teurer und auf dem Weltmarkt nicht absetzbar machen, erklärte Referentin Silvia Ey vom Bauernverband am Freitag in Liessow (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Der Verzicht auf die betäubungslose Ferkel-Kastration ist im EU-Binnenmarkt uneinheitlich geregelt.

Der Bauernverband wolle erreichen, dass Landwirte einen Sachkundelehrgang absolvieren und den Eingriff selbst vornehmen können. "Wir verschwinden sonst vom Markt", sagte Ey. Die Regelung der Bundesregierung würde eine Ungleichbehandlung der deutschen Schweinehalter in der EU bedeuten.

Umstellung würde 4 bis 8 Euro Mehrkosten pro Tier verursachen

Das Bundeslandwirtschaftsministerium verweist auf Alternativen zur Betäubung. Das seien die Mast unkastrierter Jungeber und die Impfung gegen Ebergeruch. Der Landwirt Stefan Wille-Niebur, der in Liessow einen Betrieb mit 700 Sauen und rund 20.000 Ferkeln im Jahr führt, hat mit der Ebermast begonnen. Doch der Markt wolle nicht noch mehr Eber. Er sagte, er wolle seine Schweine auf der ganzen Welt verkaufen können - wie seine Kollegen in anderen Ländern.

Wenn Landwirte die Ferkel nicht selbst betäuben und kastrieren dürften, entstünden pro Tier Mehrkosten von 4 bis 8 Euro. "Die kleinen und mittleren Betriebe halten das nicht aus", sagte Wille-Niebur.

Der Bauernverband und mehrere Organisationen von Schweinehaltern in Mecklenburg-Vorpommern haben eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Darin fordern sie Agrarminister Till Backhaus (SPD) auf, sich dafür einzusetzen, dass die Schweinehalter die Ferkel unter lokaler Betäubung kastrieren dürfen. Sonst sei es "sehr wahrscheinlich, dass die Ferkelimporte zu Lasten der Ferkelerzeuger in Mecklenburg- Vorpommern deutlich ausgeweitet werden", heißt es in der "Todendorfer Erklärung".