Der Agrarbranche fehlen die Chefs:

Bauern suchen verzweifelt Nachfolger

Agrargenossenschaften und -gesellschaften haben halten händeringend nach Fachkräften für die Führungsebene Ausschau. Die wenigen haben oft hohe finanzielle Hürden zu überwinden.

Kathrin Naumann ist promovierte Landwirtin und mittlerweile Geschäftsführerin im Agrarbetrieb Groß Grenz, wo sie ihren Vater auf dem Chefsessel ablöste.
Bernd Wüstneck Kathrin Naumann ist promovierte Landwirtin und mittlerweile Geschäftsführerin im Agrarbetrieb Groß Grenz, wo sie ihren Vater auf dem Chefsessel ablöste.

Den Landwirtschaftsbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern gehen die Chefs aus. Etwa 300 der 4700 Unternehmen im Land suchen nach Angaben der DKB-Bank dringend einen Nachfolger. Jeder vierte Betriebsleiter ist bereits über 58 Jahre alt. Immer mehr von ihnen arbeiten deutlich über das Rentenalter hinaus. Die Gründe dafür sind neben dem Fachkräftemangel vor allem finanzieller Natur: Wer etwa Chef einer Agrargenossenschaft oder -gesellschaft werden will, muss sich in das Unternehmen „einkaufen“, also Anteile erwerben, erklärt DKB-Sprecher Gerald Hein.

In der Regel übernimmt der Nachfolger die Anteile des ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden oder Geschäftsführers. Je nach Unternehmen können diese mehrere Zehntausend bis mehrere Millionen Euro wert sein. Keine Bank aber gebe einem 28-Jährigen Hochschulabsolventen einen Kredit über zwei Millionen Euro, stellte Hein klar. Die Unternehmen sollen daher Modelle finden, wie sie einem jungen Menschen den Weg ebnen.

In Hanstorf im Landkreis Rostock ist das gelungen. Dort stand Willi Reiter fast 50 Jahre an der Spitze des Agrarbetriebes – erst der LPG, dann der Hanstorfer Landbau GmbH. Vor fünf Jahren, mit über 70, kam mit einer Krankheit von einem Tag zum anderen das berufliche Aus. Doch er hatte vorgesorgt und seinen heutigen Nachfolger Joachim Schuldt von der Hochschule weg in den Betrieb geholt.

Problem löst sich innerhalb der Familie einfacher

Er habe einen Kredit aufnehmen müssen, aber nicht über Hunderttausende Euro, berichtet der 32-Jährige, der schon fünf Jahre lang den Betrieb mit 1400 Hektar und 350 Milchkühen leitet. Seinen Kredit abzuzahlen findet er nicht schlimm. „Das ist meine private Altersvorsorge“, sagt er. Das Geld sei gut angelegt, wenn er das Unternehmen nicht gegen die Wand fahre.

„Ich habe bereits als Schüler immer mal im Unternehmen geholfen“, berichtet Schuldt. Schon als Abiturient saß er auf dem Mähdrescher. Während des Studiums an der Hochschule Neubrandenburg absolvierte er in Hanstorf mehrere Praktika. Als sich vor Abschluss seines Studiums die Frage stellte, wo er die berufliche Laufbahn starten sollte, gab es für Reiter nur eine Antwort: „Du bleibst hier!“ Er hatte die Einsatzbereitschaft und fachliche Kompetenz des jungen Mannes schätzen gelernt und entsprechende Pläne geschmiedet.

Einfacher löste sich das Problem der Unternehmensnachfolge im Agrarbetrieb Groß Grenz, ebenfalls im Landkreis Rostock. Dort steht seit dem Sommer mit Kathrin Naumann (40) eine promovierte Landwirtin an der Spitze. Die Tochter des Geschäftsführers Rainer Tschirner löste ihren Vater ab, nachdem sie mehrere Jahre als Assistentin der Geschäftsführung arbeitete. „Dadurch war ich immer ganz nahe dran an den Aufgaben und auch Problemen. Das hat mich geprägt“, sagt die Neu-Chefin von 35 Mitarbeitern.

 

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