Schlechter Gene - oder Vernachlässigung:

Jungbullen-Tod - Bauern wehren sich gegen Grünen-Vorwürfe

Werden die männlichen Nachkommen von Milchkühen bewusst vernachlässigt? Die Grünen vermuten das. Das wollen die Landwirte nicht auf sich sitzen lassen.

Bauern sollen Bullenkälber nicht versorgt und deren Tod in Kauf genommen haben.
Julian Stratenschulte Bauern sollen Bullenkälber nicht versorgt und deren Tod in Kauf genommen haben.

Der Bauernverband MV hat in einem offenen Brief Vorwürfe der Grünen-Landtagsfraktion zurückgewiesen, wonach männliche Kälber von Milchkühen nicht ausreichend versorgt werden, weil sich die Aufzucht nicht lohnt. Grund sei die Konzentration bei der Zucht auf die Milch-, aber nicht die Fleischleistung. Zugleich hatte das Agrarministerium in Schwerin eine hohe Sterblichkeitsrate bei Kälbern bestätigt und Missstände in kontrollierten Höfen aufgelistet (der Nordkurier berichtete). Die Untersuchungen liegen indes schon einige Jahre zurück und wurden dann nicht mehr fortgesetzt. Sowohl Bauernverband als auch das Ministerium konnten auf Nachfrage keine aktuellen Zahlen nennen.

„Sicherlich sind weibliche Kälber wesentliche Grundlage der Reproduktion des eigenen Kuhbestandes. Männliche Kälber aus der Milchviehhaltung werden überwiegend zur Mast weiterverkauft. Sie werden genau wie die weiblichen Zuchtkälber versorgt“, schreibt Bauernpräsident Rainer Tietböhl in einem offenen Brief an Grünen-Abgeordnete Ursel Karlowski. Ihr als Biologin sollte bekannt sein, dass die Sterblichkeitsrate männlicher Kälber höher ist als die der weiblichen.

"Kein Landwirt lässt Kälber dahinsiechen"

„Wie beim Menschen übrigens auch. Die Ursache liegt in der Natur: Y-Chromosomen sind anfälliger als X-Chromosomen. Das haben wir bereits im Biologieunterricht gelernt.“ Kein Landwirt freue sich darüber, wenn Kälber sterben. Kein Landwirt lasse seine Tiere sehenden Auges dahinsiechen. „Für unsere Milchviehhalter ist es auch in Zeiten schlechter Milchpreise ein Schlag ins Gesicht zu behaupten, dass der Landwirt zum Herodes wird“, so Tietböhl.

Die Kontrollen waren laut Ministerium eingestellt worden, weil das Erfassungssystem zu ungenau war. Registriert wurden nur Kälber, die nach dem siebten Lebenstag gestorben sind. Das Ergebnis: In jedem fünften kälberhaltenden Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Viertel der Jungtiere tot geboren oder stirbt unmittelbar nach der Geburt. Jahre danach sieht Agrarminister Till Backhaus (SPD) nun plötzlich Handlungsbedarf: „Wir werden hierzu mit dem Bund spätestens auf der nächsten Agrarministerkonferenz reden müssen, dass wir hier weiterkommen und solidere Daten für die Auswertung zur Verfügung haben.“

Weiterführende Links

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung