Tabubruch Hochhaus?:

Bauunternehmer plant 100 Meter Wohnturm auf Rügen

Hochhäuser an der Küste in Mecklenburg-Vorpommern gibt es bislang nicht. Doch das könnte sich auf Rügen ändern. Die hohen Immobilienpreise lassen Investoren in die Höhe streben. Die Stimmung schwankt zwischen Skepsis und Wohlwollen.

Die Computersimulation zeigt den Entwurf eines Hochhaus in der Gemeinde Binz auf Rügen. Investor Jürgen Breuer plant auf einem ehemaligen Schulgelände den Bau eines 104m hohen Wohnturms. Das 27-etagige Gebäude mit 100 Wohnungen soll 500 Meter vom Strand entfernt in Prora entstehen.
Drebing Ehmke Architekten GmbH Die Computersimulation zeigt den Entwurf eines Hochhaus in der Gemeinde Binz auf Rügen. Investor Jürgen Breuer plant auf einem ehemaligen Schulgelände den Bau eines 104m hohen Wohnturms. Das 27-etagige Gebäude mit 100 Wohnungen soll 500 Meter vom Strand entfernt in Prora entstehen.

In Binz auf der Insel Rügen stehen sorgsam restaurierte Bäderarchitekturvillen und moderne Hotels. In kleineren Orten auf dem Südzipfel der Insel verbreiten noch reetgedeckte Häuser ihren Charme. Nun will ein Bauunternehmer auf Rügen in neue Größenordnungen vorstoßen. Investor Jürgen Breuer plant einen 104 Meter hohen Wohnturm in Prora, einem Ortsteil von Binz. Wird er gebaut, wäre er Mecklenburg-Vorpommerns höchstes Wohngebäude. Er wäre um 36 Meter höher als das Neptun-Hotel in Rostock. Er würde den Bahntower am Potsdamer Platz (103 Meter) in Berlin überragen und fast an das Maritim-Hotel in Lübeck-Travemünde heranreichen, das inklusive Leuchtfeuer 117 Meter misst.

Entschieden ist aber noch nichts. Der Binzer Bürgermeister Karsten Schneider sagte am Dienstagabend auf einer Bürgerversammlung, man befinde sich bei der Planung in der „Phase Null". Bislang wurde die Gemeindevertretung nur über die Pläne informiert. Neben der Zustimmung der Ortspolitiker fehlt ein entsprechender B-Plan, der für dieses Vorhaben auf den Weg gebracht werden müsste. 

Uneinigkeit bei Einwohnern

Bauunternehmer Breuer bietet der Gemeinde eigenen Angaben zufolge 3,5 Millionen Euro für das 13 000 Quadratmeter große Grundstück. „Nicht das Geld soll bei der Entscheidung im Vordergrund stehen, sondern, ob es gut für die Gemeinde ist", sagte Gemeindechef Schneider. Er begrüße, dass der Investor sein Projekt so früh in die Öffentlichkeit bringe.

In Binz schlagen die Wogen hoch: Einige Einwohner sehen in dem wie ein Bücherstapel wirkenden geplanten Bau ein „architektonisches Statement", ein Wahrzeichen, „eine geniale Sache", die zu einer Umwertung des durch die langen Nazibauten geprägten Ortes führen könne. Andere hingehen erinnert das Gebäude an einen Wachturm. „Es fehlen nur noch die Flakgeschütze." Kritik kommt auch von Hoteliers. Die Auslastung in den vorhandenen Einrichtungen sei schon jetzt nicht zufriedenstellend, sagte Hotelier Oliver Wächter.

Tourismusverband skeptisch

Die Architektenkammer des Landes, die zusammen mit dem Landestourismusverband für eine identitätsstiftende Baukultur in den Tourismusorten streitet, hält wenig von den Plänen. „Es gibt keinen Grund, an der Küste ein 100 Meter hohes Hochhaus zu errichten", sagte Verbandspräsident Joachim Brenncke auf Nachfrage. Tourismus lebe von der Wechselwirkung zwischen Bebauung und Landschaft. Bereits jetzt gebe es mit Binz und Kühlungsborn Orte, die übermäßig in der Fläche verdichtet seien. „Wenn wir wollen, dass Urlauber in 15 Jahren noch zu uns kommen, dann brauchen wir keine weitere Verdichtung."

Auch der Tourismusverband sieht solche Bestrebungen mit Skepsis. Hohe Bauten bedeuteten einen Einschnitt in die Naturkulisse. „Wir haben Bedenken, ob solche Vorhaben mit dem Versprechen an die Urlauber verträglich sind, hier Naturnähe erleben zu dürfen", erklärte Verbandssprecher Tobias Woitendorf.

Investor Breuer zeigte sich indes überzeugt, dass der Turm Prora ein Gesicht geben werde. Es entstehe ein interessanter Bau, der kommerziell am Markt funktioniere und von dem die Gemeinde durch die hohen Grundstückspreis etwas habe werde. Doch fehle der Rückhalt in der Gemeinde, wolle er das Vorhaben fallen lassen, sagte er.

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