Experten erläutern rechte Codes:

Bei Klamotten und Symbolen genau hinschauen

Bomberjacke und Springerstiefel? Daran erkennt man Neonazis längst nicht mehr. Experten sagen, welche „Verkleidungen“ Rechtsextreme inzwischen haben.

Janine Mattern (16) und Maxi Roquette (16) passen in Zukunft besonders auf, ob sie diese Markennamen auf T-Shirts sehen. Ansgar Aryan und Erik and Sons sind Bekleidungsmarken, die vor allem bei Rechtsextremen beliebt ist.
Janine Mattern (16) und Maxi Roquette (16) passen in Zukunft besonders auf, ob sie diese Markennamen auf T-Shirts sehen. Ansgar Aryan und Erik and Sons sind Bekleidungsmarken, die vor allem bei Rechtsextremen beliebt ist.

Frank Riesenbeck projiziert ein Foto an die Wand des Klassenzimmers. Mehrere Menschen stehen auf der Straße und halten ein Banner mit schwarz-roten Symbolen hoch. „Was glaubt ihr, wer von denen ist der Rechtsextremist?“ fragt Frank Riesenbeck vom Maex (Mobile Aufklärung MV). „Der Mann mit der schwarzen Kapuze im Hintergrund?“ „Der vorne, der das Plakat hält?“

Frank Riesenbeck schüttelt den Kopf. Es ist die Frau im selbst gestrickten Mantel mit den Sandalen, die eher wie eine Öko-Aktivistin aussieht. „Sie notiert, wer zur Demo gekommen ist. Das ist in dem Fall eine linke Demo. Zur Einschüchterung schreibt sie Namen auf oder macht Bilder von den Demonstranten.“

Probewahl mit erschreckendem Ergebnis

Frank Riesenbeck will den Schülern zeigen, dass Neonazis und Rechtsextreme nicht an der Kleidung zu erkennen sind. Er leitet den Workshop „Symbole, Dresscode, Musikstil“ am Oskar-Picht-Gymnasium in Pasewalk. Dabei ging es um Migrationspolitik, Rechtsextremismus in der Region oder auch das Parteiprogramm der NPD.

„Die Idee für das Projekt hatten wir nach einer Probewahl vor einem Jahr“, sagt Schülersprecher Christopher Bohm. In der Schule wurde eine echte Wahl simuliert mit Stimmzetteln, Wahlkabinen – und einem erschreckenden Ergebnis: „Die Mehrheit wählte NPD, und auch für die AfD waren viele Stimmen dabei“, erinnert sich Christopher Bohm. Das passe nicht zum Titel des Gymnasiums „Schule ohne Rassismus“. Und so beschlossen die Schüler, sich an zwei Projekttagen intensiv mit demokratischen Grundgedanken auseinanderzusetzen.

Politische Zuordnung durch Kleidung kaum möglich

Viele Schüler haben noch keine direkten Erfahrungen mit Rechtsextremen gemacht. Auch einige der besprochenen Nazi-Codes waren ihnen vorher nicht bekannt. „Wir wussten nicht, dass es diese Symbole gibt“, sagt Janine Mattern (16). Sie deutet auf ein kleines Männchen, das scheinbar ein Hakenkreuz in den Papierkorb wirft. Allerdings ist der Papierkorb umgedreht und wird dadurch zu einem Podest. „Das erhöht das Hakenkreuz; dieses Symbol ist verboten“, erklärt Frank Riesenbeck.

Rechtsextreme nutzen häufig Motive auf Buttons oder Aufnähern, die links-alternativen Motiven ähneln. Sie schaffen optisch ähnliche Symbole mit rechtem Inhalt, der nur bei genauem Hinsehen auffällt. „Auf einem demokratischen Umzug hab ich rechte Gegendemonstranten gesehen“, erinnert sich Christopher Bohm.

Aufpassen bei mythologischen Symbolen

Er selbst wurde auch einmal für rechts gehalten. „In Prenzlau grüßte mich plötzlich ein älterer Mann, der aus einem Geschäft kam, mit Hitlergruß. Das hat mich ziemlich verletzt.“ Eine politische Zuordnung durch Kleidung ist kaum noch möglich. Auch ein links-alternativer Stil kann als rechts ausgelegt werden. Umgekehrt gelten Bomberjacke und Springerstiefel nicht mehr als Neonazi-Erkennungsmerkmal.

Aufpassen, so Frank Riesenbeck, sollte man bei mythologischen Symbolen, die an germanische Heldenideologien anknüpfen, wie zum Beispiel Runen oder Thors Hammer. Teilweise nutzen Rechtsextreme Kleidungsmarken, weil die solche Symbole enthalten: T-Shirts von Fred Perry, auf denen ein Lorbeerkranz zu sehen ist, Lonsdale, in dem die Buchstaben NSDA als Anfang von NSDAP versteckt sind oder Kleidung der Marke Alpha Industrie, deren Abzeichen dem SA-Zeichen ähnelt.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung