Nitrat-Gefahr:

Bei uns fließt das Wasser noch sauber aus dem Hahn

Gülle und Pestizide gefährden den Wasserkreislauf. Die Zeche für Verunreinigungen werden in unserer Region jedoch nachfolgende Generationen zu zahlen haben.

In der Rostocker Region sorgen erhöhte Nitratwerte im Trinkwasser für Aufregung.
Hubert Link In der Rostocker Region sorgen erhöhte Nitratwerte im Trinkwasser für Aufregung.

Die gute Nachricht zuerst: Unser Wasser ist sauber. Im Unterschied zu anderen Regionen sprudelt das Trinkwasser in ausgezeichneter Qualität aus den Hähnen, erhöhte Nitratwerte sind kein Thema. Diese sorgen momentan in der Region um Rostock für Aufregung, weil sie höhere Kosten bei der Trinkwasseraufbereitung verursachen, die Wasserqualität und damit auch die Gesundheit der Menschen gefährden.

Schuld daran sind nach Ansicht der Kritiker die Landwirte, genauer jene, die den Mais für die ständig wachsende Anzahl von Biogasanlagen liefern. „Mais ist leicht und mehrfach nacheinander anbaubar, zudem nimmt er besonders gut Gülle auf“, erklärt Burkhard Roloff vom Landesverband des BUND.

Die Schattenseite der gerade im Umfeld der aktuell 238 angeschlossenen Biogasanlagen im Land konzentrierten Energiepflanze: „Mais ist schlecht für den Boden, lässt anderen Pflanzen keine Chance und fördert so die Nitratauswaschungen im Boden.“ Über das Grundwasser gelange das gesundheitsgefährdende Nitrat ebenso wie Phosphor in das Trinkwasser und ohne angemessene Klärung und Kontrolle in die Küchen oder Badezimmer der Verbraucher.

„Nitratbelastungen im Wasser durch Überdüngung sind bei uns kein Thema"

Die schützende Hand über seine Mitglieder hält dagegen Harald Kienscherf vom Bauernverband des Landes. „Bei der Biomasseproduktion werden nicht verstärkt Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt“, entgegnet Kniescherf einem häufig bemühten Vorwurf gegen Biogasanlagen. Eine pauschale Verbindung zwischen Maisanbau und der Gefährdung von Trinkwasser bezeichnet er als „fahrlässig falsch“. Er verweist darauf, dass der Anteil des Maisanbaus in MV unter dem Bundesdurchschnitt liege. Auch hinsichtlich der das Grundwasser gefährdenden Stickstoffüberschüsse rangiert das Land laut Bundesumweltministerium am Ende der Rangliste.

Vorläufige Entwarnung, zumindest für die Qualität des hier und heute entnommenen Trinkwassers, gibt indes Frank Strobel, Geschäftsführer der Gesellschaft für kommunale Umweltdienste in Ostmecklenburg und Vorpommern (GKU). „Nitratbelastungen im Wasser durch Überdüngung sind bei uns kein Thema, zumindest nicht unmittelbar“, so der Fachmann.

Sämtliche Trinkwasserbrunnen der GKU seien so tief gelegen, dass mindestens eine Deckschicht die meist zwischen 40 und 70 Meter Tiefe liegenden Entnahmestellen des Trinkwassers isoliert. „Insofern haben wir ein relativ gut geschütztes Trinkwasser“, so Strobel weiter.