Fahndung nach Ralf J.:

Bekannter des Geflüchteten meldet sich im Netz zu Wort

Die Polizei sucht weiter nach Ralf J. Im sozialen Netzwerk Facebook bekundet ein unbekannter Autor Sympathien für den als gefährlich geltenden Mann. Die beiden müssen sich offenbar gut gekannt haben.

Seit mehr als einer Woche auf der Flucht: Die Polizei fahndet nicht nur mit Spürhunden, sondern jetzt auch mit einem internationalen Haftbefehl nach Ralf J.
Bernd Wüstneck Seit mehr als einer Woche auf der Flucht: Die Polizei fahndet nicht nur mit Spürhunden, sondern jetzt auch mit einem internationalen Haftbefehl nach Ralf J.

Aus der Bevölkerung sind mittlerweile 118 Hinweise bei der Polizei eingegangen. Mehrfach sind die Beamten in Rostock zu größeren Suchaktionen ausgerückt, weil Anwohner den Gesuchten gesehen haben wollen. Über drei Stunden hatte die Polizei unter anderem am Freitag mit einem Großaufgebot und einem Hubschrauber in einem Wäldchen nach dem als gefährlich geltenden
Ralf J. gesucht. Ohne Erfolg. Der Rostocker Gewalttäter, der vor einer Woche bei einem Arztbesuch entkommen war, ist weiter auf der Flucht. Gegen den zwei Meter großen Mann sei ein europaweiter Haftbefehl ausgestellt worden, teilte die Polizei mit.

Unterdessen wurden im sozialen Netzwerk Facebook von einem anonymen Autor in einem Beitrag mögliche Hintergründe zur Flucht von Ralf J. verbreitet. Demnach soll der 49-Jährige aus Angst vor einer Rückverlegung in die Justizvollzugsanstalt Bützow geflohen sein. Im Maßregelvollzug wurde er wegen einer Suchterkrankung behandelt – durch die Rückkehr in den geschlossenen Vollzug seien seine Hoffnungen auf Beendigung der Therapie zunichte gemacht worden. Wer würde da nicht fliehen wollen, fragt der Autor. Die Polizei wollte sich zu den Einträgen auf Facebook aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern. Das Justizministerium bestätigte, dass es am 5. März eine Anhörung zum Therapieverlauf vor einer Strafvollstreckungskammer stattgefunden habe. Eine Entscheidung sei an diesem Tag aber nicht gefällt worden.

Ralf J. soll im Gefängnis schikaniert worden sein

Es ist nicht der einzige Vorwurf, den der unbekannte Autor gegenüber den Justizbehörden erhebt. Der Gesuchte sei während seiner Haftzeit in der JVA-Bützow von Mitgefangenen misshandelt worden, er sei von Wärtern schikaniert worden, die medizinische Behandlung sei ihm verwehrt worden. Das Justizministerium weist die Vorwürfe zurück. Ganz neu sind die Behauptungen nicht. Sie seien bereits im Jahr 2013 während des Aufenthaltes von Ralf J. in Bützow erhoben worden, teilte ein Justizsprecher mit. „Alle diesbezüglichen Eingaben des jetzt Flüchtigen haben sich als haltlos herausgestellt“, sagte der Sprecher.

Diesen Eindruck hat auch Wolfgang Schloh gewonnen, der als stellvertretender Bürgerbeauftragter zweimal persönlich mit dem jetzt gesuchten Straftäter in Kontakt getreten war. Die Eingaben waren nämlich auch auf dem Schreibtisch des Bürgerbeauftragten gelandet. „Wir sind in die JVA und haben das überprüft“, erinnert sich Schloh. Auch er kam zu dem Ergebnis: „An den meisten Behauptungen war nix dran“. Allerdings sei Ralf J. in seinem Haftraum mit einer Kamera unzulässig überwacht worden. „Das wurde durch den Anstaltsleiter sofort abgestellt“, sagt Schloh weiter.

Die Angelegenheit mit der Kamera wird auch von dem unbekannten Facebook-Autor beschrieben. Wer ist dieser Mann, der offenbar sehr gut informiert ist. Er habe habe Ralf J. 2004 persönlich kennen gelernt und ihn auch mehrfach besucht, schreibt der Autor. Und er kennt offenbar auch dessen dunkle Seite: „Es stimmt – er ist gefährlich“ Seine Straftat verurteile er auf Schärfste. Ralf J. hatte einen Rentner in Parchim überfallen und mit einer Eisenstange geschlagen.