Viele Lehrstellen bleiben leer:

Berufsnachwuchs macht sich rar

Vor wenigen Jahren noch unvorstellbar, inzwischen offenkundige Realität: In immer mehr Firmen Mecklenburg-Vorpommerns bleiben Lehrstellen unbesetzt. Und der Mangel an Nachwuchskräften trifft vor allem auch die wichtigen Branchen im Land.

Bernd Wüstneck Viele Branchen in MV finden keinen Nachwuchs.

In den Betrieben Mecklenburg-Vorpommerns bleiben in diesem Jahr so viele Ausbildungsplätze unbesetzt wie nie zuvor. Die größten Lücken gibt es erneut in der Gastronomie. Aber auch in der Bauwirtschaft, im Agrarbereich und im Handwerk können trotz teilweise leichter Zuwächse längst nicht alle Lehrstellen besetzt werden, wie eine Umfrage unter dominierenden Wirtschaftsbrachen im Nordosten ergab. Dem wachsenden Bedarf an beruflichem Nachwuchs stehen seit Jahren sinkende Schulabgängerzahlen entgegen.

Die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern hätten mit insgesamt 11 500 Ausbildungsplätzen sechs Prozent mehr angeboten als im Vorjahr, sagte Hans-Günter Trepte, Ausbildungsexperte des Unternehmerdachverbandes VUMV. Er setzt auf Spätentschlossene, um die noch offenen Stellen zu besetzen. Doch auch die könnten wohl nicht verhindern, dass die Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze höher ausfällt als im Herbst 2013. Die Zahl der offenen Stellen hatte Ende August mit 3800 um elf Prozent höher als vor einem Jahr gelegen. "Deshalb werden die Unternehmen den Endspurt nutzen müssen, um auf ihre Ausbildungsangebote aufmerksam zu machen und zu zeigen: Wir brauchen jeden!", sagte Trepte. Auch das Handwerk rührt weiter die Werbetrommel. Mehr als ein Viertel der rund 1800 angebotenen Stellen ist nach Angaben einer Sprecherin noch nicht vergeben.

1000 Plätze in der Gastronomie unbesetzt

Die größten Nachwuchsprobleme gibt es weiterhin in Küchen, Restaurants und Rezeptionen. Das Gastgewerbe beschäftigt nach Angaben des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga landesweit mehr als 50 000 Menschen, 36 000 davon mit sozialversicherungspflichtigen Jobs. Die Branche boomt. Doch trotz der Tarifsteigerungen auch für Lehrlinge gibt es im Schnitt für sieben Koch- oder Kellner-Ausbildungsstellen nur einen Bewerber. Rund 1000 Plätze waren zuletzt noch unbesetzt.

"Vor allem kleinere Häuser haben große Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden. Dabei ist es nicht der Verdienst, den junge Leute bei Jobmessen als Hinderungsgrund angeben, sondern die Arbeitszeit in der Gastronomie", berichtete Dehoga-Geschäftsführer Matthias Dettmann. Die meisten Unternehmen hätten wegen der geringen Bewerberzahlen ihre Leistungsansprüche schon deutlich nach unten geschraubt. "Die Hälfte der Azubis hat keinen 10.-Klasse-Abschluss, der für die duale Ausbildung Standard sein sollte", sagte Dettmann. Rund 800 junge Leute würden jedes Jahr eine Lehre in der Gastronomie aufnehmen. Unter den Azubis seien derzeit auch 250 ausländische Jugendliche.

Fachleute auf dem Bau gebraucht

Etwa 320 Schulabgänger begannen nach Angaben des Bauernverbandes eine Ausbildung in der Landwirtschaft und damit einige mehr als 2013. Aber 400 Stellen waren angeboten worden. Vor allem für Jobs in Tierzucht und -mast fehlten Interessenten. Auf einen Bewerber in dem Bereich kamen drei Angebote. Dass es Agrarbetriebe oft schwer hätten, junge Menschen für einen Laufbahn in der Landwirtschaft zu gewinnen, liege an alten Klischees. "Diese zu entkräften, ist noch nicht wirklich gelungen", räumte der Vizepräsident des Landesbauernverbandes, Detlef Kurreck, ein. Dabei komme in der Landwirtschaft modernste Technik zum Einsatz und die Arbeit biete täglich neue Herausforderungen.

In der Bauwirtschaft beginnen die Appelle der Verbandsspitze an die Unternehmen zu fruchten, mehr auszubilden und stärker um junge Leute zu werben. Im Vergleich zum Tiefststand 2013, als lediglich 140 Schulabgänger eine Lehre auf dem Bau antraten, gab es nun ein Plus von rund 25 Prozent auf 180. "Es ist ein Ruck durch die Branche gegangen", sagte Bernd Rackow vom Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft in Rostock. Der Ruck in der Jugend blieb aber offenbar aus. Gerade drei Trockenbauer und zehn Fliesenleger begannen mit der Berufsausbildung. "Das ist viel zu wenig. Denn diese Fachleute werden auf den Baustellen händeringend gesucht", sagte Rackow.

2123 Schulabgänger noch ohne Lehre

Nach Angeben der Arbeitsagentur Nord waren im August noch 2123 Schulabgänger unversorgt. Die Zahl der offenen Stellen lag mit 3827 jedoch fast doppelt so hoch. "Wer jetzt flexibel und kompromissbereit ist, hat gute Chancen auf eine Ausbildungsstelle", sagte Agenturchefin Margit Haupt-Koopmann. An die Arbeitgebern appellierte sie "einen zweiten Blick" auf die Bewerber zu werfen. "Viele haben Talente und Stärken, die in den Schulnoten nicht unbedingt ablesbar sind." An diesem Dienstag veröffentlicht die Agentur für Arbeit die neuen Zahlen auch für den Ausbildungsmarkt.

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