Fahrtkosten machen Azubis zu schaffen:

Berufsschulen liegen oft in weiter Ferne

Weil die Zahl der Azubis im Land sinkt, wird das Netz der Berufsschulen immer dünner. Lange Wege und teure Fahrten sind die Folge. Weil Besserung nicht in Sicht ist, hoffen Beteiligte auf den Erhalt des Status Quo.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD)
Jens Büttner Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD)

Wenn sich André Schaaf an seine Ausbildung erinnert, denkt er dabei auch an lange Fahrten. Bis nach Schwerin musste der damals noch angehende Zerspanungsmechaniker in Diensten der Eisengießerei Torgelow zur Berufsschule fahren. Einmal alle drei Wochen, „wenn wir Pech hatten auch zweimal im Monat.“ Pech war das vor allem deshalb, weil Schaaf und seine Kollegen Fahrt und Unterbringung im Wohnheim bis zum zweiten Lehrjahr selbst bezahlen mussten. Vom Gehalt blieb da nicht viel übrig. 

So wie André Schaaf damals geht es auch heute vielen Berufsschülern im Nordosten. Weil sich ihre Zahl in den vergangenen zehn Jahren halbiert hat und zeitgleich 19 Berufsschulen geschlossen wurden, leiden sie unter langen Fahrten und hohen Kosten.

Zentrale Berufsschulen seien alternativlos

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) weiß das, hielt auf einer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zum Thema Berufsschulen in Neubrandenburg aber dennoch an seinem Konzept fest. Die Zentralisierung der Berufsschulen sei, das zeige auch ein Blick auf Prognosen zur Demografie, alternativlos.

Es wird ihn kaum überrascht haben, damit im ländlich geprägten östlichen Landesteil auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Am deutlichsten formulierte die Kritik mit Ellen Grull die Verantwortliche für den Bereich Aus- und Weiterbildung der IHK Ostmecklenburg-Vorpommern. Sie nannte den sukzessiven Abbau von Berufsschulstandorten „einen verordneten Wettbewerbsnachteil für unsere Ausbildungsbetriebe“.

Ein weitere Schließung Standorten dürfe nicht akzeptiert werden. Die zurückliegenden Schließungen von Berufsschulstandorten im östlichen Landesteil nannte sie einen „Aderlass“. Damit müsse nun Schluss sein. Zudem forderte Grull ein „Bekenntnis zur Fläche“.

Tägliche Anfahrten von 70 Kilometern sind keine Ausnahme

Das wünscht sich auch Torsten Sommer,  Leiter der Beruflichen Schule für Wirtschaft, Handwerk und Industrie in Neubrandenburg. Gut 1000 Auszubildende kommen von nah und fern an seine Schule. Anfahrten von 70 Kilometern und mehr sind dabei keine Ausnahme. „Im Bereich Elektro- und Informationstechnologie habe ich Schüler, die kommen aus dem gesamten Bereich zwischen Usedom und Pasewalk“, erklärt Sommer.

Nur Dank der Gründung von Fahrgemeinschaften lasse sich der Schulweg für sie noch bewerkstelligen. Die nächste Schule für diesen Fachbereich aber liege in Rostock, spätestens dann hätte es sich mit dem täglichen Fahren erledigt. „Wir brauchen deshalb ein Niveau unterhalb der Landesfachklassen“, ansonsten werde das „Konstrukt auf dem Rücken der Schüler ausgetragen“, erklärte Sommer. Die Konzentration von Berufsschulbildung erinnere ihn an das Konzept der Kreisgebietsreform. Das dieses gescheitert ist, räumen mittlerweile selbst ehemalige Befürworter ein.

Viele Unternehmen unterstützen die Azubis bereits

Brodkorbs Verweis darauf, dass ihm gegenüber Wirtschaftsvertreter den Kurs der Zentralisierung stets befürwortet hatten, konnte die Anwesenden nicht überzeugen. Unter der Hand brachte er dem Minister eher den Vorwurf, nicht auf die richtigen Leute gehört zu haben. Auch der Hinweis darauf, Azubis könnten Zuschüsse vom Land für ihre Fahrtkosten bekommen, würden diese aber viel zu selten abfragen, verfing nicht. „Ich kenne eine ganze Reihe von Unternehmen, die ihre Azubis bei Fahrt- und Unterkunftskosten unterstützen“, erklärte Ellen Grull. „Die würden sonst gar keine Auszubildenden mehr finden.“

Bestätigung kam von Corena Faust. Sie arbeitet als Ausbildungskoordinatorin beim Unternehmen Semcoglas mit Sitz in Neubrandenburg. An eine Zeit ohne Kostenzuschuss für die Auszubildenden kann sie sich nicht erinnern. „Die Kosten für die Fahrt zur Berufsschule und die Unterbringung allein zu bezahlen wäre für die Azubis auch schwer“, so Corena Faust. Die Maßnahme sei ein „schöner Anreiz von der Firma“. Seine Wirkung dürfte dieser nicht verfehlen. Immerhin reisen die aktuell drei Lehrlinge zum Feinglasmechaniker bis ins sächsische Torgau zur Berufsschule.

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