Gerichtsverfahren:

Berufungsprozess im „Rabaukenjäger“-Fall

Ein Jäger schleift ein totes Reh mit dem Auto hinter sich her - und wird dabei fotografiert. Ein Journalist beschreibt den Mann als „Rabaukenjäger“ und wird dafür zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Berufung läuft.

Thomas Krause berät sich mit seinen Anwälten Malte Nieschalk (links) und Johannes Weberling (rechts).
Frank Wilhelm Thomas Krause berät sich mit seinen Anwälten Malte Nieschalk (links) und Johannes Weberling (rechts).

Im sogenannten Rabaukenjäger-Fall fand am Freitag der Berufungsprozess vor dem Landgericht Neubrandenburg. Dabei geht es um den Nordkurier-Journalisten Thomas Krause, der wegen Beleidigung eines Jägers vom Amtsgericht Pasewalk zu 1000 Euro Geldstrafe verurteilt worden war. Der Jäger hatte 2014 ein totes Reh auf einer Bundesstraße hinter seinem Auto hergeschleift. Das war fotografiert worden. Der Reporter hatte den 74-Jährigen daraufhin als „Rabaukenjäger“ bezeichnet. Die Berichte verstießen nach Auffassung des Amtsgerichtes aber gegen die Persönlichkeitsrechte des Jägers. Gegen das auch vom Deutschen Journalistenverband kritisierte Urteil wurde Berufung eingelegt. Der Fall hatte über Mecklenburg-Vorpommern hinaus für Aufsehen gesorgt.

Der Jäger hat den Vorfall inzwischen bedauert. Er hatte nach eigenen Angaben das Reh nicht geschossen, sondern einen teils verwesten Tierkörper entsorgt, der länger am Straßenrand gelegen habe. An der Praxis übte aber auch der Landesjagdverband harsche Kritik. Den Entzug seiner Jagderlaubnis nach dem Vorfall wehrte der 74-Jährige mit rechtlichen Mitteln ab. Zuletzt kam es zu einem Vergleich am Verwaltungsgericht Greifswald. Der Jäger entschuldigte er sich öffentlich und zahlt 500 Euro an den Landesjagdverband.

Urteil noch am Freitag erwartet

Der Richter am Verwaltungsgericht beurteilte den Vorfall als schweren Verstoß gegen den Grundsatz des ethisch korrekten waidmännischen Handelns, wobei es sich um eine „einmalige Entgleisung“ gehandelt habe. Der Deutsche Presserat hatte den Berichterstattern eine „Missbilligung“ ausgesprochen, weil der Jäger identifizierbar geworden sei. Der Landesverband des Deutschen Journalistenverbandes hatte dagegen das Amtsgerichtsurteil gegen den Journalisten als „Zensur“ kritisiert.

Für den Prozess war der 74-jährige Jäger als einziger Zeuge geladen. Der Mann sagte aus, dass er sich durch die Bezeichung in seiner Ehre verletzt sehe. In den Plädoyers forderten beide Verteidiger einen Freispruch für den Reporter Thomas Krause. Der Staatsanwalt blieb bei seiner Einschätzung, dass das Wort eine Beleidigung darstelle.

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