Dr. Jazz:

Bespitzelt, doch Seite an Seite mit Louis Amstrong

Karlheinz Drechsels Leben war der Jazz. Das war zwar oft  berauschend, aber auch ebenso gefährlich – zumindest zu DDR Zeiten.

Das ist Jazz-Geschichte in Buchform.
ZVG Das ist Jazz-Geschichte in Buchform.

Das musst Du alles mal aufschreiben! Daraus muss ein Buch werden! Immer und immer wieder hat Ulf Drechsel diese an seinen Vater gerichteten Sätze gehört. Freunde, Musiker und Kollegen hatten den Jazzmusiker und Musikjournalisten stets gebeten, seine ganz persönliche Sicht auf die Dinge, sein Stück Musikgeschichte, für die Nachwelt festzuhalten. Auch die Familie hat ihn immer wieder dazu animiert. „Doch er hat stets Gründe gefunden, nicht damit anzufangen, seine Jazz-Geschichte aufzuschreiben. Es gab immer Wichtigeres: die nächste Radio-Sendung, ein Artikel für eine Zeitschrift, der noch geschrieben werden musste, oder ein Konzert, eine Tournee, einen Vortrag.“

Ulf Drechsel hat noch sehr gute Erinnerungen an diese Zeit. Sein Vater, der auch als Dr. Jazz von vielen Musikern hoch geschätzt und verehrt wurde, hat auch ihm diesen Gefallen nicht getan. Und so schrieb eben Ulf Drechsel die Biografie seines Vaters.

Erinnerungen lesen sich spannend wie ein Krimi

Es sind Gespräche zwischen Vater und Sohn unter dem Titel „Zwischen den Strömungen – Mein Leben mit dem Jazz“, die aus der vergangenen und bewegten Zeit erzählen. Jetzt liegen sie in Buchform vor. Spannend wie ein Krimi lesen sich Drechsels Erinnerungen an die Jazzanfänge im Dresden der 30er- und 40er-Jahre, an die ersten Rundfunkerlebnisse im Berlin der 50er-Jahre, an Begegnungen mit vielen Großen der Jazzgeschichte – allen voran Louis Armstrong. Karlheinz Drechsel spricht über seine Bemühungen, dem Jazz unter den kulturpolitischen Prämissen der DDR zur Anerkennung zu verhelfen.

Aber auch ein verhängnisvoller Aprilscherz, Auftrittsverbote und heikle Situationen bei der Beschaffung von Schallplatten haben einen Platz in diesem Buch. Drechsel spricht über fast 50 Jahre vor dem Rundfunkmikro und über Ausflüge in die Welt des Schlagers, über das „Internationale Dixielandfestival“ in Dresden und über die „Jazz Bühne Berlin“. Die Gräben zwischen Jazztradition und Avantgarde werden ebenso erwähnt wie Privilegien, Missgunst und Stasibespitzelung.