Gefühle-Training:

Bevor Schüler rot sehen

Wie können Schüler mit Wut umgehen, so dass sie nicht ausrasten? Darüber diskutieren die Lehrer an der Neubrandenburger Grundschule Süd nicht nur, sie handeln.

Wie können wir eine Wut-Rakete bremsen? Lehrerin Ricarda Rech von der Grundschule Süd in Neubrandenburg diskutiert mit ihren Viertklässlern die Vorschläge.
Marina Spreemann Wie können wir eine Wut-Rakete bremsen? Lehrerin Ricarda Rech von der Grundschule Süd in Neubrandenburg diskutiert mit ihren Viertklässlern die Vorschläge.

Doch, Jan war schon mal so richtig wütend. Auf seinen Freund. Die beiden hatten sich zum Fußballspielen verabredet. „Ich bin extra zwei Kilometer mit dem Fahrrad hingefahren und er ist nicht gekommen“, erzählt der Viertklässler, immer noch mit finsterer Miene.

Für seine Mitschüler heißt das: Da hatte Jan das rote Level erreicht. Die Klasse 4a an der Neubrandenburger Grundschule Süd beschäftigt sich nämlich gerade mit Gefühlen.

Tief durchatmen, leise bis Zehn zählen

Im Sachunterricht und in zusätzlichen Förderstunden geht es um Wut, Freude, Trauer. Mit einer Pyramide in Rot, Gelb und Grün bestimmen die Kinder die Intensität dieser Gefühle. „Rote Wut, das ist wie eine Rakete, die gleich hochgeht“, erklärt Frieda.

Und die Mädchen und Jungen überlegen, wie sich so eine Rakete noch steuern lässt: Umdrehen und weggehen, leise bis Zehn zählen, fünf Mal tief durchatmen, die Hände in der Tasche zu Fäusten ballen, Hilfe holen.

„Mit diesem Verhaltenstraining wollen wir die emotionalen und sozialen Kompetenzen der Kinder fördern“, sagt Lehrerin Ricarda Rech. Seit September gebe es an der Grundschule so ein Trainingsprogramm für alle Kinder von der 1. Klasse an.

In fast jeder Klasse auffällige Schüler

In dem gefühlvollen Unterricht lerne sie ihre Schüler von einer ganz anderen Seite kennen. „Ich erfahre mehr darüber, was sie bewegt, und staune manchmal, wie sie das auch ausdrücken können. Besonders als wir über Trauer geredet haben, hat mich das beeindruckt“, erzählt sie.

Die Zeitungsbeiträge über den Ausraster eines Drittklässlers in Schönfeld haben auch sie und ihre Kollegen zum Nachdenken angeregt. „Zwar haben wir solche Vorfälle bislang nicht erlebt, aber es gibt in fast jeder Klasse auffällige Schüler, solche, die besondere Zuwendung brauchen.

„In unserem Training lernen die Kinder, Gefühle bei sich und anderen zu erkennen, sich in andere hineinzuversetzen“, erklärt die Pädagogin. Gerade diese Fähigkeit sei bei vielen Kindern nicht besonders gut ausgeprägt, hat Schulsozialarbeiterin Anke Riedel festgestellt, die mit der Lehrerin und Horterzieher Falko Bernhardt die Stunden in der 4a gestaltet.

Was in der Schule gilt, zählt auch im Hort

Diese  Team-Arbeit schätzt Schulleiter Jörg Borchert besonders. „Die Schulsozialarbeiterin weiß viel über die Kinder, hat engen Kontakt zu den Eltern. Und dass wir mit dem Hort an einem Strang ziehen, ist wichtig.

Wenn wir Klassenregeln aufstellen, müssen die natürlich auch nachmittags im Hort gelten“, sagt er. „Was das Klima und den Umgangston in der Schule angeht, sind die Eltern sehr sensibel geworden. Immer nur von Toleranz zu reden, reicht nicht. Mit dem Trainingsprogramm wollen wir auch etwas dafür tun.“   

Weiterführende Links

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung