Prozess um blutigen Nachbarstreit:

Bewährung für Messerstecher

Ein Täter-Opfer-Ausgleich beendet einen sehr kontroversen Prozess um einen blutigen Nachbarschaftsstreit in Silz in der Müritzregion. Am Schluss räumt der Täter ein, dass er doch nicht in Notwehr zugestochen hat.

Der Tatort.
Thomas Beigang Der Tatort.

Für die Messerattacke in einem bizarren Streit unter Nachbarn hat das Landgericht Neubrandenburg einen 66-Jährigen auf Bewährung verurteilt. Richter Klaus Kabisch befand den Angeklagten am Mittwoch der gefährlichen Körperverletzung für schuldig, weil er den 31 Jahre alten Sohn der Nachbarin in Silz (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) mit einem Messerstich in den Bauch schwer verletzt hatte. Das Opfer überlebte nach einer Notoperation. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Nicht mit Tötungsvorsatz gehandelt

Die weitergehende Anklage wegen versuchten Totschlags wurde fallengelassen. "Der Verurteilte hat nicht mit Tötungsvorsatz gehandelt", sagte Kabisch. Die Verurteilung wurde unter anderem durch einen von allen Seiten verabredeten Täter-Opfer-Ausgleich möglich. Dabei gestand der 66-Jährige am Mittwoch über seine Anwälte, dass er doch nicht - wie bisher behauptet - in Notwehr zugestochen habe. Zudem will er dem Opfer 2500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Staatsanwalt, die dreiköpfige Verteidigung mit Anwalt Peter Michael Diestel und der Geschädigte als Nebenkläger nahmen das Urteil noch im Gerichtssaal an.

Chemische Experimente führten zum Streit

Hintergrund des Streits sollen chemische Experimente des 66-Jährigen gewesen sein, der nach eigenen Angaben über Patente auf kosmetischem und pharmazeutischem Gebiet verfügt. Die über ihm wohnende Nachbarin hatte mehrfach die Polizei gerufen - aus Angst, dass Dämpfe und Gerüche aus der unteren Etage sie krank machen würden. Ende März hatte sie zwei Söhne und einen Bekannten deshalb alarmiert. Diese traten beim Ankommen an die Tür des 66-Jährigen. Als das Trio später das Haus wieder verlassen wollte, stach der alkoholisierte Mann im Flur zu.

Diverse Verschwörungstheorien im Internet

Nach der Tat war der Mann verhaftet worden und saß seither acht Monate in Untersuchungshaft. Ungeachtet dessen verbreiteten er und seine Bekannten im Internet diverse Verschwörungstheorien. Im Prozess sollte er von einer Psychiaterin begutachtet werden, mit der aber nicht redete. Auch sonst ließ er bis zum Schluss nur seine drei Verteidiger sprechen. "Er ist ein Mann, dessen Persönlichkeit den Strafverteidigern auch offen geblieben ist", räumte Diestel ein. Der Verurteilte hatte sich Polizisten gegenüber auch als "Freund von Gauck und Putin" bezeichnet

"Sie müssen sich eine andere Wohnung suchen"

Das Landgericht hob jetzt den Haftbefehl wieder auf. Im gleichen Haus in Silz darf der Verurteilte aber nicht mehr bleiben. "Sie müssen sich eine andere Wohnung suchen", erklärte Richter Kabisch als Auflage. Dem hatte der gelernte Veterinäringenieur, der erst 2013 von Rostock nach Silz gezogen war, zugestimmt. "Ich habe meine Lehren gezogen", sagte er doch noch am Schluss.

Mit dem Urteil folgte das Gericht exakt der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Verteidiger hatten eine maximal achtmonatige Freiheitsstrafe verlangt, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

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