Angezündete Scheune:

Haben Rechtsextreme einen Brandanschlag auf Nazi-Gegner verübt?

Seit Jahren ist das Künstlerpaar Lohmeyer im westmecklenburgischen Dörfchen Jamel Anfeindungen durch Rechtsextremisten ausgesetzt. Jetzt brannte ihre Scheune nieder. Bei der Ursachenermittlung ist auch der Staatsschutz einbezogen.

Die Scheune wurde durch das Feuer komplett zerstört.
Polizei Die Scheune wurde durch das Feuer komplett zerstört.

Auf dem Anwesen der für ihren Einsatz für Demokratie und Toleranz bekannten Eheleute Birgit und Horst Lohmeyer in Jamel (Nordwestmecklenburg) ist in der Nacht zum Donnerstag eine Scheune abgebrannt. Das etwa 200 Quadratmeter große reetgedeckte Gebäude sei bis auf die Grundmauern zerstört worden. «Wir gehen davon aus, dass es sich um eine direkte Reaktion auf die kürzlich bekanntgegebene Verleihung des Georg-Leber-Preises für Zivilcourage an uns handelt», erklärte Horst Lohmeyer.

Die Polizei nahm Ermittlungen auf. Brandstiftung werde nicht ausgeschlossen, der Staatsschutz sei einbezogen, sagte ein Polizeisprecher. Ergebnisse - etwa direkte Hinweise auf einen politischen Hintergrund - lagen zunächst nicht vor. Bei dem Brand wurde niemand verletzt. Das Gebäude war zur Brandzeit leer.

Das Paar wird nach eigenen Angaben seit seinem Zuzug 2004 von rechtsextremen Dorfbewohnern gemobbt. Die Auseinandersetzung habe nun aber «eine andere, lebensgefährliche Qualität» erlangt, so Lohmeyer. Kurz vor Ausbruch des Brandes sei eine fremde Person auf dem Grundstück beobachtet worden.

Als Reaktion auf fortwährende Anfeindungen hatten Birgit und Horst Lohmeyer 2007 in dem von Neonazis dominierten Dorf das Festival für Toleranz und Demokratie «Jamel rockt den Förster» ins Leben gerufen. Die 9. Auflage der nichtkommerziellen Musikveranstaltung ist für den 28. und 29. August auf dem alten Forsthof geplant. Dann soll auch der mit 10 000 Euro dotierte Georg-Leber-Preis für Zivilcourage der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt überreicht werden. Das aus Hamburg stammende Ehepaar Lohmeyer war zuvor bereits mit dem Paul-Spiegel-Zivilcourage-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland und dem Bürgerpreis der deutschen Zeitungen geehrt worden.

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