Schwerer Weg in den sicheren Hafen:

Bisher nur 24 Syrer in MV aufgenommen

Krieg, Gewalt und tiefe Not: Kurz vor dem Fest haben viele Bürgerkriegsflüchtlinge noch nicht den sicheren Hafen erreicht. Auch nicht den im Nordosten.

Viele syrische Familien suchen Schutz vor dem Bürgerkrieg.
Patrick Pleul Viele syrische Familien suchen Schutz vor dem Bürgerkrieg.

Von den 106 Mecklenburg-Vorpommern zugewiesenen syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen sind bislang gerade einmal 24 im Nordosten angekommen. Das sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Schwerin. Die Bundesregierung hatte sich im Frühjahr bereit erklärt, 5000 Flüchtlinge aus Syrien gezielt nach Deutschland zu holen. Im Dezember wurde das Kontingent dann um 5000 weitere Menschen aufgestockt. MV gehe nun davon aus, dass es gemäß dem Länderschlüssel insgesamt 212 Flüchtlinge beherbergen soll, sagte der Sprecher.

Kritik an der schleppenden Aufnahme kam vom migrationspolitischen Sprecher der Linksfraktion, Hikmat Al-Sabty: „Das muss schneller gehen. Für Menschen aus Kriegsregionen, die meist körperlich und seelisch verletzt sind, kommt es auf jeden Tag an.“ Der Bürgerkrieg gehe weiter, und die Zahl der Flüchtlinge steige täglich an. In den Flüchtlingslagern in Jordanien, Libanon, Irak und Türkei würden die Menschenrechte mit Füßen getreten. „Mädchen werden an arabische Scheichs verkauft. Islamische Dschihadisten vergewaltigen täglich Mädchen und Frauen. Die syrischen Kinder müssen im Libanon arbeiten, um sich zu ernähren“, beklagte Al-Sabty.

Der Ministeriumssprecher räumte zwar ein, dass die Aufnahme nur langsam vorangeht. Dies sei aber ein bundesweites Problem: „Die Flüchtlinge müssen sich erst bei der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen und bei der Caritas Libanon registrieren lassen. Dann werden sie an den Bund weitergeleitet und dann erst an uns. Wir sind bereit“, sagte der Sprecher. Und vergessen werden dürfe auch nicht, dass Deutschland jeden Monat weitere 1800 Flüchtlinge aus der Krisenregion aufnehme.

Kritik übt Linkspolitiker Al-Sabty aber auch an den Modalitäten. Denn: Zurzeit müssen Familienangehörige nachweisen, dass sie für die Flüchtlinge finanziell aufkommen können. „Viele sind dazu aber nicht in der Lage. Die in MV lebenden Syrer sind meist selbst Asylbewerber oder Studierende mit begrenztem Einkommen. Im Falle des Familiennachzugs sollte deshalb auf Bürgschaften verzichtet werden.“

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