Umfrage an Gymnasien und Gesamtschulen:

Blick nach vorn und Rolle rückwärts beim Abitur

In Klasse 11 und 12 sollte es nach dem Willen einer klaren Mehrheit von Lehrern wieder Grund- und Leistungskurse geben. Was sonst noch gewünscht wird für die Reifeprüfung? Eine Umfrage hat es gezeigt.

Keine Ruhe fürs Abitur: Die Lehrerschaft wünscht sich Reformen.
Armin Weigel Keine Ruhe fürs Abitur: Die Lehrerschaft wünscht sich Reformen.

Für ein bundesweit vergleichbares Abitur und eine Rolle rückwärts im Unterricht hat sich eine deutliche Mehrheit von Gymnasiallehrern ausgesprochen. Laut einer Umfrage des Bildungsministeriums wünschen sich neun von zehn Befragten, dass die Bundesländer zu vergleichbaren Prüfungen und einheitlichen Bewertungsmaßstäben kommen. Zudem sollte das Land zum differenzierten Lernen in den wichtigsten Fächern zurückkehren, den früher üblichen Grund- und Leistungskursen.

Zum Ende des Schuljahres hatte das Ministerium die Leiter und Lehrer von Gymnasien und Gesamtschulen um ihre Meinung zur Reform des Abiturs gebeten. Mehr als 1500 Frauen und Männer machten mit, deutlich mehr als 50 Prozent der Lehrkräfte. Indem Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) die Ergebnisse in den Sommerferien präsentiert, baut er vor für den Fall, dass er sein Amt nach der Landtagswahl am 4. September abgeben muss: "Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt, damit sich niemand mehr an diesen Erkenntnissen vorbei mogeln kann."

Brodkorb: Zentrales Abitur wäre ein Gewinn

Für ein bundesweit einheitliches Abitur sieht Brodkorb nach vier Jahren Amtserfahrung kaum Hoffnung. "Ich kann mir das nur vorstellen, wenn die zentrale Entscheidungsbefugnis nach Berlin verlagert würde." Er sei bereit, in dieser Frage ein Stück föderaler Kompetenz abzugeben. "Wir gewinnen dafür ein besseres Abitur", sagte er, verwies aber zugleich darauf, dass dann das Grundgesetz geändert werden müsste.

Andere Punkte einer Abitur-Reform ließen sich einfacher umsetzen, so Brodkorb. Schon zum Schuljahr 2017/18 wäre es denkbar, im gymnasialen Bildungsgang leichter den Schulabschluss der Mittleren Reife zu erlangen. Der sollte Schülern automatisch mit Versetzung in Klasse 11 zugestanden werden, wie zwei Drittel der Lehrer vorschlagen. Bislang müssen die Schüler dafür eine gesonderte Prüfung ablegen, was seit Jahren von Elternvertretern und der Opposition im Landtag als unnötige Belastung gebrandmarkt wird.

Um die Grund- und Leistungskurse in Klasse 11 und 12 wiederzubeleben, braucht es nach Einschätzung des Ministers mindestens einen organisatorischen Vorlauf bis zum Schuljahr 2018/19 und Geld für zusätzliche Lehrerstellen. Schüler könnten sich dann in Kernfächern wie Deutsch und Mathe wieder entscheiden zwischen einem Unterricht auf grundlegendem oder erhöhtem Anforderungsniveau. Die rot-rote Landesregierung von 2002 bis 2006 hatte diese Wahlmöglichkeit abgeschafft. Mit unliebsamen Folgen: Stärkere Schüler hatten ihren Leistungsvorsprung eingebüßt, schwächere schneller den Anschluss verloren.

Klares Ja zum Einheitsabitur

Wie könnte das Abitur reformiert werden? Dazu hat das Bildungsministerium die Leiter und Lehrer an Gymnasien und Gesamtschulen befragt. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Einheitsabitur: 91 Prozent der Befragten plädieren dafür, die Idee länderübergreifender Abiturprüfungen weiter voran zu treiben. Dafür sollten die Länder nach Ansicht einer klaren Mehrheit von 92 Prozent einheitliche Bewertungsmaßstäbe für Abiturprüfungen und Klausuren einführen.

Grund- und Leistungskurse: 88 Prozent wollen, dass Schüler in den Hauptfächern wieder die Wahl haben, ob sie auf grundlegendem oder erhöhtem Niveau unterrichtet und geprüft werden wollen.

Weniger Hauptfächer: 59 Prozent der Lehrerschaft sprechen sich dafür aus, die Zahl der Hauptfächer im Abitur wie in anderen Ländern auf vier zu begrenzen. Derzeit sind es hierzulande 6, das ist bundesweit Spitze.

Pflicht zu Deutsch und Mathe: Neben Deutsch und Mathe sollten eine Fremdsprache oder Naturwissenschaft als Abiturprüfungsfächer verbindlich sein, meinen 82 Prozent der Befragten. Darüber hinaus besteht Wahlfreiheit. Bei der Gesamtzahl der Prüfungsfächer ist die Lehrerschaft gespalten: 56 Prozent wollen, dass es bei den bisherigen fünf Fächern bleibt, 43 Prozent favorisieren vier Fächer.

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