Polizei lauert an 192 Kontrollstellen:

Blitzer-Marathon lässt die Autos schleichen

Raserei auf den Straßen ist eine der häufigsten Unfallursachen. Mit einem Blitz-Marathon will die Polizei an landesweit 192 Kontrollstellen ein Zeichen gegen Temposünder setzen.

Am Donnerstag müssen Autofahrer wieder wachsam sein, wenn am Wegesrand der Blitzer lauert.
dpa Wenn der Blitzer am Wegesrand steht, sollten Autofahrer wachsam sein.

Beim heutigen bundesweiten Blitz-Marathon der Polizei wollen die Beamten in Mecklenburg-Vorpommern an 192 Kontrollstellen Raser erwischen. Von Donnerstagmorgen um 6.00 Uhr bis Mitternacht gehen rund 450 Beamte gegen Raser vor. Das sind 20 Kontrollstellen mehr als beim 24-Stunden-Blitzmarathon 2014, aber 40 weniger als bei der Premiere der bundesweiten Aktion 2013. Das geht aus Daten des Innenministeriums in Schwerin hervor.

2013 wurden demnach 2204 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt, im Jahr darauf 1854. Das waren 2,6 beziehungsweise 4,1 Prozent aller kontrollierten Fahrzeuge. Offenbar waren die Fahrer aufgrund der Ankündigung des Blitz-Marathons vorsichtiger als sonst unterwegs. An einem normalen Kontrolltag liege die Quote bei elf Prozent, hieß es.

Schwerpunkt liegt auf den Anhaltekontrollen

Bundesweit wollen 13 000 Beamte an mehr als 7000 Stellen kontrollieren, ob sich Auto-, Motorrad- und Lastwagenfahrer an die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten halten. In Mecklenburg-Vorpommern seien 561 Kontrollkräfte im Einsatz, kündigte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) an. "Der Schwerpunkt liegt dieses Jahr bei den Anhaltekontrollen der Polizei", sagte er. Dabei würden die Geblitzten direkt mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert. Caffier verspricht sich davon eine gute erzieherische Wirkung.

In diesem Jahr beteiligen sich neben Deutschland erstmals 21 weitere europäische Länder an der Aktion. Überhöhte Geschwindigkeit ist die häufigste Unfallursache, gerade auch für schwere Unfälle mit Verletzten und Toten. Auf Mecklenburg-Vorpommerns Straßen starben im vergangenen Jahr mehr als 90 Menschen.

Bis Mitternacht halten die Kontrollen an

Auf den Straßen in Berlin und Brandenburg hat am Donnerstagmorgen der Großeinsatz gegen zu schnelle Fahrer begonnen. In Berlin misst die Polizei beim Blitz-Marathon bis Mitternacht an rund 256 wechselnden Stellen die Geschwindigkeit von Autos und Motorradfahrern. In Brandenburg wird an 225 Orten kontrolliert. Im Einsatz sind in der Hauptstadt mehr als 1000 Polizisten, in Brandenburg rund 450. Kontrolliert wird besonders vor Kitas, in Wohngebieten und an Unfallschwerpunkten, aber auch an Autobahnen und Durchgangsstraßen. An der inzwischen dritten Aktion dieser Art beteiligen sich insgesamt 21 europäische Länder.

Kontrollen lassen Autofahrer langsamer fahren

Die Ankündigung des Blitz-Marathons und die Veröffentlichung sämtlicher 192 Kontrollstellen im Internet haben die Autofahrer vielerorts in Mecklenburg-Vorpommern am Morgen vorsichtiger fahren lassen. Die Polizeiinspektion Ludwigslust blitzte in den ersten zwei Stunden der Aktion lediglich vier Temposünder, wie ein Sprecher sagte. Verkehrsteilnehmer berichteten von einem allgemein langsameren Berufsverkehr. Landesweit prüft die Polizei bis Mitternacht an 192 Stellen die Einhaltung der Tempolimits. Das Innenministerium hatte die Kontrollstellen vorher bekanntgegeben.

Ende der 1950er Jahre begann eine neue Ära im Straßenverkehr: Im Regierungsbezirk Düsseldorf kam erstmals ein mobiles Radargerät zur Geschwindigkeitskontrolle zum Einsatz. Mittlerweile gibt es eine Reihe unterschiedlicher Techniken. Beispiele:

RADARANLAGEN: Die Geräte senden Radarstrahlen aus, die das Auto reflektiert. Wird die Messschwelle überschritten, wird ein Fotoapparat ausgelöst - eine der am weitesten verbreiteten Techniken.

LICHTSCHRANKEN: Mehrere Lichtschranken stehen nacheinander quer zur Straße. Beim Unterbrechen jeder Lichtschranke liefert das Auto ein elektrisches Signal. Das Gerät misst die Zeitabstände und errechnet so das Tempo.

DRUCKSENSOREN: Mehrere Sensoren werden in bestimmten Abständen in die Fahrbahn eingelassen. Beim Überfahren werden Signale ausgelöst, mit denen das Tempo errechnet werden kann.

LASERGERÄTE: Sie senden eine Folge von Lichtimpulsen aus und empfangen den vom Fahrzeug reflektierten Anteil. Die Geräte messen die Zeit bis zum Wiedereintreffen des Signals und errechnen so die Entfernung des Fahrzeugs. Aus deren Veränderung ergibt sich die Geschwindigkeit. Neben Handmessgeräten, die einzelne Autos anvisieren, gibt es am Fahrbahnrand aufgestellte Laserscanner, die mehrere Fahrstreifen zugleich überwachen.

VIDEO: Geschwindigkeitsmessungen in Kombination mit Videoanlagen nehmen meist zivile Polizeifahrzeuge auf Autobahnen vor. Das eingebaute Gerät misst eine Wegstrecke und die Zeit, die das verfolgte Auto dafür braucht, und berechnet dessen durchschnittliche Geschwindigkeit. Die Daten und die Fahrt werden per Video festgehalten. Das Messen der Geschwindigkeit mit einer Stoppuhr wird kaum noch angewendet.

Was halten Sie von dem Blitzer-Marathon?

Total unsinnig. So etwas bringt überhaupt nichts.
86% (25 Stimmen)
Tolle Sache! Wer sich an die Verkehrsregeln hält wird eh nicht geblitzt.
14% (4 Stimmen)
Gesamtstimmen: 29

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