Messgerät für Diabetiker:

Blutwert-Kontrolle ohne Piks

Bis dreimal täglich müssen sich Diabetes-Patienten in den Finger stechen, um aus einem Blutströpfchen ihre Blutwerte zu ermitteln. Eine Firma hat ein Messgerät entwickelt, mit dem das schmerzfrei funktionieren soll. Aber woher weiß das Gerät die Blutwerte?

Über einen Fingersensor sollen bei einem neuen Gerät ohne Blutentnahme die Langzeit­zuckerwerte bestimmt werden.
Jens Büttner Über einen Fingersensor sollen bei einem neuen Gerät ohne Blutentnahme die Langzeit­zuckerwerte bestimmt werden.

Es ist die vielleicht beste Nachricht für Diabetes-Patienten seit der Entdeckung der Insulinpumpe, mit der vor einigen Jahren die schmerzhaften Insulinspritzen mit ihren dicken Kanülen abgeschafft wurden. Forscher der Universität Rostock wollen nun auch jene lästigen Messgeräte ablösen, mit denen Zuckerkranke durch einen Piks in Finger oder Ohrläppchen eine Blutsprobe gewinnen, um ihre Werte festzustellen. Künftig soll das völlig unblutig gehen. „Die Grundlagenforschung für ein solches, sogenanntes nichtinvasives Verfahren ist weit fortgeschritten“, sagt Hartmut Ewald, Professor für Sensorik am Rostocker Institut für Allgemeine Elektrotechnik. Inzwischen stehe fest, dass allein mit einer spektralen Analyse des Blutes, quasi durch die Haut hindurch, die für die Einstellung des Blutzuckers wichtigen Werte gewonnen werden könnten.

Mehrere Jahre lang hatten die Rostocker Experten die photometrische Messung des Blutes an einem Modell getestet, das dem menschlichen Blutkreislauf nachempfunden wurde. Im Endeffekt entwickelten sie ein Messgerät, das ganz spezielle Wellenlängen aussendet, mit dem zum Beispiel der Hämoglobin-Wert optisch erfasst werden kann. Nun gehen die Forscher einen entscheidenden Schritt weiter: „Wir wollen eine Sensorik entwickeln, mit der auch das sogenannte Glykohämoglobin erfasst werden kann“, sagt Ewald, der spezielle Infrarot-Lichtquellen mit optischen Filtern, Spektrometern und Photodetektoren miteinander kombinieren will.

Land unterstützt die Forschung

Glykohämoglobin gilt als eine Art Langzeitgedächtnis. Es spiegelt den mittleren Blutzuckerwert der letzten acht bis zwölf Wochen wider und ist ausschlaggebend für die richtige Einstellung der Patienten. Gelingt es zum Beispiel bei Betroffenen den Glykohämoglobin-Wert nur um ein Prozent zu reduzieren, dann sinkt das Risiko von Schädigungen an kleinen Gefäßen zum Beispiel bei Augen oder Nieren um 35 Prozent. Die Gefahr eines Herzinfarkts geht laut medizinischen Langzeitstudien um 18 Prozent zurück.

Mit dem mecklenburgischen Unternehmen bluepoint Medical in Selmsdorf fanden die Rostocker Forscher einen Partner. Gemeinsam werde ein handhabbares Messgerät entwickelt, das jeder Patient daheim oder unterwegs benutzen kann. Ein entsprechendes Patent sei schon angemeldet, sagt Geschäftsführer Bernd Lindner. Gefördert wird das Projekt vom Land Mecklenburg-Vorpommern zu 65 Prozent mit 314 000 Euro. Weitere 355 000 Euro Unterstützung gehen in die Grundlagenforschung der Universität. Das Vorhaben habe die Landesregierung überzeugt, sagt Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). „Das könnte ein richtiger Exportschlager für Mecklenburg-Vorpommern werden.“

Im kommenden Jahr soll die Serienfertigung starten. Ein Jahr später sollen die ersten 1000 Messgeräte produziert werden. An die Geräte soll eine Art Kappe angeschlossen werden, die sich der Patient einfach nur über den Zeigefinger streifen muss. „Anschließend wird der Finger durchleuchtet, und am Display können sofort die gewünschten Messwerte abgelesen werden, ganz ohne Piks“, sagt Lindner. Die Kosten dafür sollen sich auf etwa 2000 Euro je Gerät belaufen, zwölfmal weniger als bei der Konkurrenz.

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