Verseuchte Flächen gibt es noch mindestens hundert Jahre:

Bombenbergung bleibt auch im Nordosten Herkulesaufgabe

Fast 70 Jahre nach Kriegsende liegen noch immer tonnenweise Bomben und Munition in deutschen Böden und Gewässern. Von einigen Flächen gehen auch in M-V akute Gefahren aus.

Vom Munitionsbergungsdienst sichergestellte Granaten lagern im Zerlegebetrieb Jessenitz (Ludwiglust) in einem Bunker.
Jens Büttner Vom Munitionsbergungsdienst sichergestellte Granaten lagern im Zerlegebetrieb Jessenitz (Ludwiglust) in einem Bunker.

Die Hinterlassenschaften der Weltkriege beschäftigen weiter den Munitionsbergungsdienst in Mecklenburg-Vorpommern. 2012 machten die Spezialisten im Land rund 72 Tonnen Kampfmittel unschädlich, das Gros davon wurde bei planmäßigen Sondierungen von alten Militärgeländen oder neuen Baugebieten aufgespürt, teilte jetzt eine Sprecherin des Innenministeriums mit. Für 2013 lägen noch keine Zahlen vor. Es sei aber von einem ähnlichen Bergungsvolumen auszugehen, erklärte die Sprecherin.

Drei Einsatzteams stehen Tag und Nacht bereit

2012 wurden etwas mehr als 5 Tonnen Bomben, Munition und Fragmente von Kampfmitteln nach zufälligen Funden bei 445 Soforteinsätzen der Experten des Munitionsbergungsdienstes abtransportiert und vernichtet. In M-V stehen drei Einsatzteams rund um die Uhr für das Bergen von Munition bereit. Es gibt zwei Zerlegebetriebe, einen in Jessenitz bei Lübtheen im Landkreis Ludwigslust-Parchim und einen weiteren in Mellenthin auf der Insel Usedom.

Nach früheren Einschätzungen des Munitionsbergungsdienstes braucht es noch mindestens hundert Jahre, bis alle akut verseuchten Flächen im Nordosten von den gefährlichen Hinterlassenschaften geräumt sein werden. Von etwa 150 000 Hektar ist bekannt, dass diese Flächen mit Kampfmitteln belastet sind, akute Gefahren gehen von etwa einem Drittel dieser Flächen aus. Schwerpunkte von zufälligen Funden bei Bauarbeiten lagen bisher in den Städten Rostock, Wismar und Schwerin sowie auf früheren Truppenübungsplätzen.

Annähernd 65 000 Hektar belastete Gebiete befinden sich in der Ostsee vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns, wenngleich hier aufgrund der Wassertiefen keine unmittelbare Gefährdung für Menschen bestehe, wie Experten glauben. Im Juli 2013 wurden zwei Wasserbomben aus dem Zweiten Weltkrieg in der Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern gesprengt, eine dritte Bombe konnte an Land entschärft werden. Die jeweils 140 Kilogramm schweren Bomben mussten aus der viel befahrenen Kadetrinne gezogen werden.

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