Tausende gestohlene Briefmarken:

„Briefmarken-Bande“ schlug wieder zu

Erneut haben Einbrecher aus einer Postfiliale Tausende Briefmarken gestohlen. Ermittler stehen vor einem Rätsel. Gibt es in Vorpommern einen Schwarzmarkt für Postwertzeichen?

Zuletzt stahlen die Diebe Briefmarken im Wert von 4500 Euro. Der Schaden insgesamt wird auf 30  000 Euro geschätzt.
GoldPix - Fotolia Zuletzt stahlen die Diebe Briefmarken im Wert von 4500 Euro. Der Schaden insgesamt wird auf 30  000 Euro geschätzt.

Wieder hatten es die Diebe ausschließlich auf Briefmarken abgesehen. In der Nacht zum Dienstag brachen die Täter durch die Eingangstür in das Lebensmittelgeschäft in der Anklamer Straße in Greifswald ein und steuerten zielsicher den Stahlblechschrank an. Sie entwendeten dort deponierte Postwertzeichen im Umfang von mehreren Tausend Euro und entkamen, bevor Passanten den Bruch bemerkten und die Polizei alarmierten. Der Schaden wird auf 4500 Euro geschätzt.

Es war bereits der vierte Einbruch in diesem Laden binnen eines Jahres, bei dem Unbekannte komplette Blöcke druckfrischer Briefmarken erbeuteten, die dort angebotenen polnischen und russischen Waren aber unangetastet zurückließen. „Wir sprechen inzwischen von einem Gesamtschaden in Höhe von rund 30  000 Euro“, sagt Polizeisprecher Axel Falkenberg.

Das Phänomen beschränke sich allerdings nicht allein auf Greifswald, man gehe von bandenmäßigem Vorgehen aus. In ganz Deutschland würden immer wieder größere Mengen Briefmarken bei offenbar ganz gezielten Filial-Einbrüchen erbeutet. Zuletzt waren zum Beispiel in der Nacht zum 25. April Kriminelle in den Gasthof „Zum Lindenkrug“ in Groß Wokern bei Teterow eingedrungen und hatten dort aus einem aufgebrochenen Schrank Briefmarkensätze im Umfang von etwa 7000 Euro gestohlen.

Ein Rücktausch ist nicht möglich - zu auffällig

Aber was machen die Täter mit derart großen Mengen aktueller Postwertzeichen? Ein legaler Rücktausch gegen Bargeld sei nicht möglich, sagt Jens-Uwe Hogard, Pressesprecher der Post AG. „Ohnehin würden bei uns die Alarmglocken schrillen, wenn jemand an einem unserer Postschalter komplette Briefmarkenbögen anbieten würde.“ Hogard geht davon aus, dass es inzwischen einen florierenden Schwarzmarkt gebe, auf dem sich mit Briefmarken im großen Stil Geld machen lässt.

Nach Angaben eines Ermittlers würden inzwischen in Internetbörsen immer mal wieder große Mengen Briefmarken zum Kauf angeboten. Mitunter lägen die Preise um zwei bis zehn Cent unter dem eigentlichen Markenwert. Da sei es nicht auszuschließen, dass zum Beispiel Einkäufer großer Unternehmen der Versuchung unterlägen und die Marken zum Rabatt rechtswidrig erwerben würden. „Die Menge macht’s“, sagte der Ermittler dem Nordkurier. „Da lässt sich richtig Kohle machen.“

Es sei nicht ausgeschlossen, dass da eine organisierte Bande operiere, und zwar über Ländergrenzen hinweg, sagte ein Polizeisprecher. Daher habe die Polizei die Ermittlungen intensiviert. Mittlerweile würden auch komplette Briefmarkenautomaten immer häufiger geknackt. Mitunter würden die ausgeraubten Behälter später weit vom Tatort entfernt wiedergefunden. Zuletzt hatten Passanten im Großraum Berlin einen ausgeraubten Sicherheitsschrank gefunden. Er stammte aus dem Greifswalder Laden, der nun schon wieder überfallen wurde, wie der Nordkurier aus Sicherheitskreisen erfuhr.

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