Fliegerabsturz im Zweiten Weltkrieg :

Brite sucht Bombertrümmer im vorpommerschen Garten

Deutsche Jäger schießen im zweiten Weltkrieg eine britische Halifax bei Pasewalk ab. Der Neffe eines Besatzungsmitglieds findet 70 Jahre später den Ort, wo sein Onkel mit sechs weiteren Kameraden ums Leben kam.

Siegfried Lobbe (l.) führte Adrian Butterfield und Christian König (r.) an die Absturzstelle.
Ralph Sommer Siegfried Lobbe (l.) führte Adrian Butterfield und Christian König (r.) an die Absturzstelle.

In der Nacht zum 21. April 1943 stürzte bei Gut Borken, nordöstlich von Pasewalk, ein britischer Bomber ab. Alle sieben Besatzungsmitglieder kamen damals ums Leben, unter ihnen auch der erst 19-jährige Bordschütze Reginald Walter Lambert aus London Colney. Um das Schicksal des Sergeanten aufzuklären, wandte sich im Juni die niederländische Stiftung CRASH40-45 (Crash Research in Aviation Society Holland) an den Nordkurier. Nach einem entsprechenden Bericht meldeten sich zahlreiche Leser und berichteten über ihre Erinnerungen an jene Tage und mehrere Flugzeugabstürze westlich von Stettin. Schließlich konnte die Absturzstelle der „Halifax“ gefunden werden.

Am Wochenende besuchte der Neffe des englischen Besatzungsmitglieds, Adrian Butterfield, den Ort, an dem sein Onkel und dessen Kameraden ums Leben kamen. Dort, wo einst der abgeschossene Bomber zerschellte, nur wenige Hundert Meter vom Gut Borken entfernt, befindet sich heute der Garten von Kerstin Wieduckel. Hier empfing sie am Samstag den Gast und gestattete sogar die Suche mit einem Metalldetektor: Tatsächlich fanden die Experten etwa 40 Zentimeter unter der Grasnarbe ein Trümmerteil des britischen Bombers.

Zuvor hatten Einheimische den Gast zu einer noch erkennbaren Absturzstelle am Koblentzer See geführt, an der im Februar 1943 eine kanadische Maschine eingeschlagen war. Im Nordkurier-Gespräch dankte Adrian Butterfield den Einwohnern für die herzliche Aufnahme.

Herr Butterfield, ihren Onkel haben Sie nie kennengelernt. Was wissen Sie von ihm?

Nur das, was mir meine inzwischen verstorbene Tante von ihm erzählt hatte. Er war Heckschütze und gerade mal ein Jahr nach seiner Hochzeit von einem deutschen Nachtjäger abgeschossen worden. Als sein Vater vom Tod seines einzigen Sohnes erfuhr, soll er über Nacht weiße Haare bekommen haben.

Was veranlasste Sie, das Schicksal Ihres abgeschossenen Onkels aufzuklären?

Schon als kleiner Junge mochte ich meine Tante sehr. Und irgendwann fragte ich mich, warum es eigentlich keinen Onkel gebe. Das war so ein Verlustgefühl – mit zunehmendem Alter wuchs die Neugier. Ich wollte wissen, wo genau mein Onkel starb.

Sie haben jahrelang recherchiert. Wie sind Sie vorgegangen?

Ich habe zuerst in Großbritannien die Verlustlisten der Royal Air Force gesichtet. Schließlich schrieb ich vor drei Jahren an das Stadtarchiv Pasewalk. Dort konnte man mir aber leider nicht weiterhelfen. Der Vorschlag der Pasewalker, das Schicksal von Reginald über ein Schulprojekt erforschen zu lassen, zerschlug sich leider auch. Als es über die Behördenschiene nicht klappte, fand ich im Internet Leute mit ähnlichen Erfahrungen, die mich an die Stiftung CRASH40-45 verwiesen.

Den richtigen Durchbruch gab es aber erst dank der Recherchen Ihrer Zeitung und der Hinweise Ihrer Leser. Plötzlich fügte sich alles wie ein Puzzle zusammen.

Was empfinden Sie, wenn Sie nun an der ehemaligen Absturzstelle stehen?

Für mich schließt sich eine Lücke, die ich als kleiner Junge empfand. Ich kann ein Kapitel Familiengeschichte abschließen. Wenn ich hier in diesem friedlichen Garten mit so aufgeschlossenen, hilfsbereiten Menschen stehe, empfinde ich tiefe Dankbarkeit.

Die Leute hier haben mir eine verborgene Unglücksstelle tief im Wald gezeigt und es sogar zugelassen, dass wir in ihrem Garten graben. Das war wirklich sehr ergreifend.

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