Tonnenweise Sand und Trümmer :

Brückensprengung in Schwerin

Eine von Deutschlands marodesten Brücken ist in Schwerin gesprengt worden. Das 40 Jahre alte Bauwerk hinterlässt neben einer großen Staubwolke Tausende Tonnen Trümmer auf einer Hauptverkehrsader der Landeshauptstadt.

Nur noch ein Riesen-Haufen Schutt: die Stadionbrücke.
Bodo Marks Nur noch ein Riesen-Haufen Schutt: die Stadionbrücke.

Ein Knall, eine riesige Staubwolke, zu Boden flatternde Bauplanen - und eine der marodesten Brücken Deutschlands ist Geschichte. Von dem Bauwerk in Schwerin, das über eine sechsspurige Hauptverkehrsader der Stadt und eine parallel dazu verlaufende Straßenbahntrasse führte, bleibt nach der Sprengung am Freitagmorgen kurz nach 9 Uhr nur ein großer Haufen Sand und Trümmer.

Bis Montagfrüh sollen die vielen tausend Tonnen weggeräumt sein, der Verkehr wieder normal rollen. Dafür werden acht Bagger und eine Raupe im Einsatz sein, wie Stadtsprecherin Michaela Christen sagt.

Wirtschaftsministerium evakuiert

300 Kilogramm Sprengstoff, 6500 Tonnen Kies zum Schutz der Fahrbahn vor den Trümmern und 70 Einsatzkräfte werden für die Sprengung aufgeboten. Polizisten riegeln das Gebiet in der Nähe des Stadtzentrums weiträumig ab. Im Umkreis von 200 Metern um die Brücke werden alle Gebäude evakuiert, in weiteren 100 Metern darf sich niemand im Freien aufhalten.

Von der Evakuierung ist neben mehr als 70 Wohnungen auch das Wirtschaftsministerium mit rund 240 Mitarbeitern betroffen. Sie müssen beim verspäteten Dienstbeginn erst einmal die Computer wieder hochfahren, denn die IT-Technik war vorsorglich abgeschaltet worden, wie Ministeriumssprecher Gunnar Bauer erklärt.

Schon zwei Tage vor der Sprengung war die sechsspurige Ludwigsluster Chaussee, die von Süden ins Stadtzentrum führt, voll gesperrt. Baufirmen rückten an, um ein zwei Meter hohes Kiesbett zum Schutz der Fahrbahn aufzuschütten. Auch die Straßenbahntrasse ins größte Plattenbaugebiet der Stadt mit 23 000 Einwohnern wurde unterbrochen und gesichert. Auf der 40 Jahre alten Brücke selbst durfte bereits seit mehr als zwei Wochen kein Verkehr mehr rollen, Fahrbahnaufbauten mussten beseitigt werden.

Verkehr staute sich auf Umleitungsstrecke

Unmittelbar nach der Sprengung am Freitag sagt Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke): "Der Sprengmeister ist zufrieden, alles ist nach Plan verlaufen, es hat keine Erschütterungen gegeben."

Ein konventioneller Abriss der Brücke hätte zu lange gedauert, erklärt Stadtsprecherin Christen. Ein wochenlanges Verkehrschaos sollte vermieden werden. "Täglich passieren 30 000 Fahrzeuge die Ludwigsluster Chaussee", sagt Christen. Schon an den wenigen Tagen der Sperrung staute sich der Verkehr auf der Umleitungsstrecke. Am Donnerstagnachmittag stieß dort ein Nahverkehrsbus mit einem Auto zusammen, knapp 20 Fahrgäste in dem Bus wurden verletzt.

Die Beseitigung der Brücke sei dringend nötig gewesen, sagt Christen. Bei einem Test des Automobilclubs ADAC im Juni hatte das Bauwerk aus dem Jahr 1974 das Prädikat "sehr mangelhaft" bekommen. Ein Ersatzbau ist der Sprecherin zufolge geplant - einen Zeitplan gebe es aber noch nicht. Die Stadt Schwerin hat große finanzielle Schwierigkeiten, sie ist hoch verschuldet.

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