Die Südbahn soll nicht sterben:

Bürger geben den Kampf nicht auf

Quer durchs Land kocht die Wut über die Pläne des Verkehrsministeriums mit der Ost-West-Verbindung von Hagenow nach Neustrelitz. Die Behörde bleibt unbeeindruckt und führt bereits Gespräche mit Busunternehmen.

Ein Schienenkreuz ist am 25.11.2013 im geschlossenen Bahnhof von Malchow (Mecklenburg-Vorpommern) im Gegenlicht zu sehen. Nach den Plänen der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern soll der Zugverkehr auf der so genannten Südbahn-Strecke eingestellt und durch Busse ersetzt werden.
Jens Büttner Ein Schienenkreuz ist am 25.11.2013 im geschlossenen Bahnhof von Malchow (Mecklenburg-Vorpommern) im Gegenlicht zu sehen. Nach den Plänen der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern soll der Zugverkehr auf der so genannten Südbahn-Strecke eingestellt und durch Busse ersetzt werden.

Die Kontrahenten haben über die Zukunft der Südbahn gesprochen – allerdings nicht mit-, sondern nur übereinander. Denn 130 Kilometer Eisenbahngleis entzweien das Land: Mehrere Bürgerinitiativen und Bürgermeister fordern den Erhalt der Strecke, die von Hagenow in Westmecklenburg gen Osten nach Neustrelitz führt. Das Verkehrsministerium will jedoch den Personenverkehr auf dem Abschnitt von Parchim nach Malchow Ende 2014 einstellen und Busse einsetzen.

Verkehrsunternehmen: geringe Fahrgastzahlen

Vor Verkehrsunternehmen in Neubrandenburg erklärte nun die Leiterin ÖPNV des Ministeriums, Katrin Appel, dass ungeachtet der Proteste bereits Gespräche für einen attraktiven Busverkehr auf der Südbahn-Strecke im Gange seien. Als Gründe für das Aus führte sie geringe Fahrgastzahlen und das jährliche Einsparpotenzial von drei bis vier Millionen Euro an.

Den Sprechern der Bürgerinitiativen (BI) Pro Südbahn platzt angesichts solcher Argumente der Kragen. In Schwerin warfen sie die Frage auf, welchen Vorteil es habe, eine durchgehende Bahnverbindung zugunsten von Flickwerk zu zerstören. Wer heute noch in einem Ritt von Hagenow bis Neustrelitz fahren kann, müsste künftig zweimal umsteigen: Von Hagenow bis Parchim fährt der Zug, von Parchim bis Malchow der Bus, und bis Neustrelitz wieder der Zug. „In Parchim führt der Weg vom Bahnhof zum Busbahnhof über zwei Kilometer quer durch die Stadt“, sagte Clemens Russell von der BI Lübz. „Da möchte ich die Urlauber mal sehen mit ihren Rollenkoffern.“

Gutachter: Täglich nutzen bis 250 Menschen die Bahn

In Malchow war vor knapp einem Jahr der modernisierte und barrierefreie Bahnhof freigegeben worden – mit der Aussicht, dass dort künftig mehr statt weniger Züge halten, wie Bürgermeister Joachim Stein (Die Grünen) erklärt. „Warum plötzlich dieser Kurswechsel?“, fragt er. Die Fahrt von Malchow nach Hamburg mit dem Zug dauert derzeit zwei Stunden, ebenso lange wie mit dem Auto. „Auf einen solchen Trumpf können wir doch als Tourismusregion nicht verzichten“, sagt er.

Das Verkehrsministerium beruft sich auf ein Gutachten, wonach die Südbahn mit 47 Millionen Euro aufgerüstet werden müsste. „Diese Summe ist eine Maximalforderung“, konterte Tino Hahn von der RegioInfraGmbH, einem Unternehmen, das in Mecklenburg-Vorpommern und Nordbrandenburg Eisenbahnnetze unterhält. Es hatte dem Gutachten des Ministeriums zugearbeitet. „Bei 47 Millionen wäre alles vom Feinsten“, betonte er. Doch schon mit der Hälfte oder einem Drittel der Summe sei auf der Strecke viel zu machen.

Mangelnde Offenheit attestieren die BI dem Verkehrsministerium auch hinsichtlich Passagierzahlen. „Wir kennen die Zahlen des Ministeriums nicht und fragen uns, woher sie stammen könnten“, sagte Monika Göpper von der BI Malchow. Laut RegioInfraGmbH nutzen die Bahn zwischen 150 und 250 Menschen pro Tag. Der Kampf um den Erhalt der Strecke geht weiter: Dem ersten Protestmarsch zum Schweriner Schloss im November folgt am 10. Dezember vor der letzten Landtagssitzung des Jahres ein weiterer. Zudem gebe es am Freitag zwischen 17 und 19 Uhr Mahnwachen an allen Haltepunkten der Südbahn.

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