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Bürgerbeauftragter greift in Schlager-Streit mit NDR ein

Zu wenig deutsche Musik, zu viel Gedudel im Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – bei dem Thema scheiden sich die Geister. Viele Beschwerden sind nun auf einem wichtigen Schweriner Amtstisch gelandet.

Viele Radiohörer wollen, dass im Norddeutschen Rundfunk (NDR) mehr volkstümliche Musik gespielt wird. Foto: Jens Wolf
Jens Wolf Viele Radiohörer wollen, dass im Norddeutschen Rundfunk (NDR) mehr volkstümliche Musik gespielt wird. Foto: Jens Wolf

Marmor, Stein und Eisen bricht – nur der Norddeutsche Rundfunk nicht: Den Bürgerbeauftragten des Landes, Matthias Crone, haben im vergangenen Jahr zahlreiche Petitionen zu mehr deutschsprachigen Schlagern im NDR-Radio erreicht. „Erstaunlich viele davon kamen aus dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte“, sagte Crone am Freitag bei der Präsentation seiner Jahresbilanz.

Wie berichtet, macht sich in der Sache besonders in und um Neubrandenburg eine Bürgerinitiative (BI) „Für ein besseres NDR 1 Radio MV“ stark. Sie argumentiert vor allem damit, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr auf die Wünsche seiner Hörer eingehen sollte. Doch immer wieder stößt die BI auf Granit bei den Senderverantwortlichen, die auf vielfältigere Interessen bei ihrem Publikum verweisen.

Beim Sender liegt die Programmhoheit

Bürgerbeauftragter Crone kündigte nun an, dass es im kommenden Monat ein Gespräch zwischen Seniorenbeiräten aus dem Land und der NDR-Spitze in Schwerin geben solle. „Ich will mich aber auch für einen Termin für die Bürgerinitiative weiter einsetzen“, sagte er. Es müsse dafür aber sichergestellt sein, dass die Diskussion sachlich ablaufe. Zugleich stellte Crone klar: „Es gibt keinen rechtlichen Anspruch auf mehr deutsche Schlager. Aber ich glaube schon, das hat etwas mit Lebensgefühl und mit akustischer Heimat zu tun.“

Den Bürgern, die sich mit dem Thema an ihn wenden, versuche er zuerst zu erklären, dass im Rundfunkstaatsvertrag festgelegt ist, dass die Programmhoheit beim Sender liegt. „Diese Freiheit muss man akzeptieren.“ Seine Rolle dabei könne daher nur eine moderierende sein.

Die Zahl der Beschwerden blieb konstant

Insgesamt sind die Beschwerden beim Bürgerbeauftragten des Landes gegen behördliche Entscheidungen und Missachtung des Bürgerwillens erneut angewachsen. 1637 Petitionen landeten 2014 bei Crone, 86 mehr als im Jahr davor. Den höchsten Anteil machten Anfragen und Beschwerden zur Berechnung und Gewährung von Sozialleistungen aus. Mit 625 Fällen blieb die Zahl zum Vorjahr (615) aber fast konstant.

Zweithäufigster Grund waren erneut Justizangelegenheiten, die Anlass für 214 Eingaben waren. Danach folgten Belange von Menschen mit Behinderung. Die Zahl dieser Petitionen stieg von 114 auf 155. Einen ähnlichen Zuwachs gab es bei Hilfeersuchen im Zusammenhang mit Baurecht und Landesplanung von 86 auf
132. Konkret ging es dabei meist um die Vermietung von Ferienwohnungen.