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Bußgeldverfahren wegen unerlaubter Erdarbeiten

Einwohner des kleinen Örtchens Stolpe sind von den Erdarbeiten auf dem Baugrundstück des bekannten Publizisten genervt. Sie werfen ihm die Verwüstung der idyllischen Landschaft mit Haffblick vor.

Die Stolper ärgern sich über Sarrazin.
Soeren Stache Die Stolper ärgern sich über Sarrazin.

Man kann Thilo Sarrazin ja Einiges vorwerfen. Aber dass er kein Gespür für schöne Lagen hätte, das ganz sicher nicht. Der streitbare Buchautor ("Deutschland schafft sich ab") hat sich am Rande des schmucken Dörfchens Stolpe auf Usedom ein 14 000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft, von dem aus er über Felder und Wiesen hinweg einen unverstellten Blick auf das Stettiner Haff hat. Ein wirklich schöner Platz für ein Haus. Weitaus weniger schön finden jedoch die unmittelbaren Anwohner, was sich bisher auf dem Grundstück abgespielt hat. Unverhältnismäßig viel Erde sei bewegt worden, der Baulärm mittlerweile unerträglich. Vor allem aber wurde das Grundstück begradigt, also eine Senke zugeschüttet und ein kleiner Berg abgetragen. Kurz, den Stolpern wurde ein Stück Landschaft, ein Stück Heimat zerstört. Das, da sind sich die Anwohner sicher, hätte sich ein „Normalsterblicher“ nicht erlauben dürfen.

Tatsächlich hatte Thilo Sarrazin keine Genehmigung dafür, das Grundstück einzuebnen. Da die Fläche an ein Landschaftsschutzgebiet grenzt, hätte sich der Bauherr eine Sondergenehmigung einholen müssen, heißt es vom Landkreis Vorpommern-Greifswald. Nun wurde ein Bußgeldverfahren eröffnet und ein so genannter Anhörungsbogen verschickt. Wenn der prominente Autor zu den Vorwürfen Stellung nimmt, keine weiteren als die bereits begonnenen Arbeiten zu Ende bringt und den Eingriff in die Natur beispielsweise mit Ersatzpflanzungen ausgleicht, dann blieben ihm sogar die angedrohten 500 Euro Bußgeld erspart.