Betriebsrat verärgert:

Call-Center wird dicht gemacht

In Greifswald will SNT mehr als 280 Jobs streichen. Die Vertreter der Arbeitnehmer zweifeln an den genannten Gründen für die Schließung. Anders sieht die Firmenzukunft in Neubrandenburg aus.

Im Greifswalder SNT-Callcenter werden die Telefonkopfhörer weggelegt: 280 Mitarbeiter verlieren ihren Job, weil der Standort ungünstig liegt, so die Begründung.
Oliver Berg Im Greifswalder SNT-Callcenter werden die Telefonkopfhörer weggelegt: 280 Mitarbeiter verlieren ihren Job, weil der Standort ungünstig liegt, so die Begründung.

Während der Callcenter-Betreiber SNT seinen Standort in Greifswald dicht machen will, stehen in Neubrandenburg die Zeichen auf Erweiterung. Zusätzlich zu den derzeit 480 Beschäftigten würden in der Viertorestadt derzeit weitere 30 Mitarbeiter gesucht, versicherte Unternehmenssprecherin Jutta Lorberg auf Nordkurier-Nachfrage. Laut SNT-Vorstandschef Harry Wassermann sollen Beschäftigten aus Greifswald Arbeitsplätze in Neubrandenburg oder an anderen Standorten angeboten werden.

Die Unternehmensleitung begründete die Schließung des Greifswalder Callcenters unter anderem mit der schweren Erreichbarkeit des Standortes im Nordosten Deutschlands. Auftraggeber müssten für Besuche und Schulungen der Mitarbeiter lange Anfahrtswege in kauf nehmen. Der ab Januar geltende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde spiele bei den Plänen aber keine Rolle. „Wir treten jetzt in Gespräche mit dem Betriebsrat“, sagte SNT-Chef Wassermann.

Aufgaben für Mitarbeiter werden komplexer

Das Unternehmen beschäftigt eigenen Angaben zufolge in Greifswald 280 Mitarbeiter, bundesweit sind es 3500 an sieben Standorten. Nach Angaben des Betriebsrates wird mit einer Schließung zum 31. März 2015 gerechnet. Die Begründungen der SNT-Geschäftsleitung seien „fadenscheinig“, kritisierte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Simone Löhnert.

Nach Einschätzung von Wolfgang Kolley, Vorstandsvorsitzender der Telemarketing-Initiative MV, leidet die Branche in Mecklenburg-Vorpommern eher unter Personalmangel. „Wir haben zunehmend Wachstumsprobleme, weil wir nicht mehr ausreichend qualifiziertes Personal finden“, sagte Kolley. Er gehe davon aus, dass die Greifswalder SNT-Beschäftigten in kurzer Zeit einen Job finden werden.

Die Aufgaben der Mitarbeiter in Callcentern würden zunehmend komplexer, so Kolley. Neben dem Telefongeschäft kämen schriftliche Arbeiten in Blogs, Chats oder der Mailverkehr hinzu. Unternehmen in der Versicherungsbranche setzten inzwischen eine abgeschlossene Ausbildung als Versicherungskaufmann oder -kauffrau voraus.  Die Branche beschäftigt laut Kolley landesweit 17  500 Mitarbeiter in 120 Callcentern.

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