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Cannabis-Gesetz stößt auf Kritik

Cannabis auf Rezept – seit drei Monaten ist das für Schwerkranke möglich. Zumindest laut Gesetz. Die Realität aber sieht offenbar anders aus.

Für Schwerkranke ist Cannabis seit März auf Rezept erhältlich. Jetzt wird Kritik laut.
Karl-Josef Hildenbrand Für Schwerkranke ist Cannabis seit März auf Rezept erhältlich. Jetzt wird Kritik laut.

Am Cannabis-Gesetz wird Kritik laut. Für Patienten habe es kaum zu Verbesserungen geführt, bemängelte der Arzt Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin. Seit März gilt: Sobald alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, dürfen Ärzte Cannabis verschreiben. Bisher täten das aber nur sehr wenige, so Grotenhermen. Zudem müssten die Krankenkassen die Erstverordnung genehmigen, das aber geschehe oftmals nicht. Insgesamt sei der Verwaltungsaufwand zu hoch.

Wie viele Menschen im Nordosten Cannabis auf Rezept bekommen, ist unklar. „Seit Inkrafttreten des Gesetzes verzeichnen wir durchaus einen Anstieg bei den Anträgen auf Kostenerstattung von cannabishaltigen Arzneimitteln”, teilt die AOK Nordost mit, nennt aber keine Zahlen. Von „aktuell sehr wenigen Fällen” spricht hingegen Axel Pudimat, Vorsitzender des Apothekerverbands Mecklenburg-Vorpommern. „Die Anforderungen sind sehr hoch.”

Hoher Aufwand für Apotheker

Die Apotheker begrüßen die medizinische Nutzung von Cannabis grundsätzlich, betonte Pudimat. Das Gesetz stelle aber auch sie vor Probleme. Der Preis für Cannabis-Präparate sei zwar bereits hoch, spiegele den Aufwand für die Apotheker aber noch nicht wider. Durch das Gesetz unterliegt Cannabis der Preisbindung für Arzneimittel. Die Preisregeln seien jedoch vor allem für fertig abgepackte Medikamente gemacht oder für nach Rezept hergestellte Salben.

Cannabis-Präparate hingegen erforderten größeren Arbeitsaufwand. Die Apotheker dürften nur wenige Gramm getrocknete Blüten einkaufen und müssten diese importieren, hauptsächlich aus Holland – in Deutschland hält die neue Bundes-Cannabisagentur das Monopol, kann aber noch nicht liefern.

In Zukunft mehr Tabletten?

Nach dem Import müssten die Apotheker die Blüten mahlen, sieben, abmischen. Der hohe Harz- und wechselnde Wirkstoffgehalt mache das bisweilen mühsam. Aufgrund des Aufwands, so Pudimat, werde derzeit über die Preisbindung verhandelt. „Hier wurde schnell ein Gesetz gestrickt, das noch nicht ganz zur Realität passt.”

Für Pudimat liegt die Zukunft in Cannabis-Tabletten oder -Tropfen: Für Apotheker sei das einfacher, für Patienten besser. Derzeit ist das Apotheken-Cannabis zum Rauchen gedacht, zum Aufbrühen oder zum Verdampfen in einem Vaporisator – eine genaue Dosierung sei kaum möglich, das Rauchen ungesund.

Cannabis ist noch immer die weltweit am häufigsten konsumierte illegale Droge, wie aus dem aktuellen Weltdrogenbericht der UN hervorgeht.