Landwirtschaftstag:

Das Tierwohl erhitzt die Gemüter

Wie Tiere gehalten werden, wird mehr und mehr diskutiert. Aber die Landwirte in MV wollen sich nicht reinreden lassen.

Massentierhaltung ist zunehmend in der Kritik
Bernd Wüstneck Massentierhaltung ist zunehmend in der Kritik

 „Das billigste Angebot diktiert, was in der Tierhaltung passiert“, sagte der Geschäftsführer des Tierschutzfachverbandes Provieh, Stefan Johnigk, am Mittwoch auf dem Landwirtschaftstag in Linstow. „Wir brauchen Lösungen, die den Massenmarkt verändern.“ Mit der „Initiative Tierwohl“ habe der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland erstmals Verantwortung für Probleme in der Tierhaltung übernommen, erklärte Johnigk. Demnach soll Fleisch generell etwas teurer werden.

In Linstow diskutierten fünf Vertreter aus Politik, Verbänden und Wissenschaft über die aktuelle Agrarpolitik. Johnigk, der sich zum Auftakt einen kleinen Schlagabtausch mit dem Landesbauernpräsidenten Rainer Tietböhl lieferte, durfte wegen der Größe des Podiums nicht mehr dabei sein. Tietböhl erklärte: „Wir halten die Nutztiere entsprechend den gesetzlichen Vorgaben.“ Wenn die Standards erhöht werden, müssten die Bauern dafür auch mehr Geld bekommen. Die Landwirte seien gespannt, was der Handel biete. Er äußerte sich enttäuscht, dass Bürgerinitiativen und Nichtregierungsorganisationen (NGO) immer wieder gegen Tierhaltungsanlagen protestieren, obwohl die Bauern Transparenz zeigten und ihre Höfe öffneten. Er verbat sich zudem eine Gängelung der Bauern: „Wir wissen, wie wir Weizen anbauen und wie wir unsere Tiere halten müssen.“

In MV sind nach den Worten von Agrarminister Till Backhaus (SPD) 77 neue Anlagen zur Tierhaltung in der Planung. Es gebe Anträge auf 70  000 Plätze für Mastschweine sowie auf 13  000 für Milchkühe. Der Präsident des Thünen-Instituts, Folkhard Isermeyer, verwies auf die zunehmende Lobbypolitik seitens der Landwirtschaft, aber auch von NGOs. Der Europaabgeordnete Werner Kuhn (CDU) kritisierte das Verbandsklagerecht der Organisationen. Es werde „brutal“ eingesetzt. Die NGOs verhinderten so Projekte im ländlichen Raum. Das sei ein moderner Ablasshandel, meinte er.

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Kommentare (1)

NGOs setzen also ihr Verbandsklagerecht brutal ein, meint der Europaabgeordnete Werner Kuhn (CDU). Das brutale Recht der Agrarindustriellen, Tiere lebenslang in Konzentrationsanlagen zu halten wird dagegen unhinterfragt in Anspruch genommen. 70  000 Tierwohl-Plätze für Mastschweine sowie 13  000 für Milchkühe sind derzeit beantragt im schönen Gesundheitsland MV. Das sind die Worte von Minister Backhaus aus dem Lebens-Ministerium. Bleibt zu hoffen, dass die NGOs möglichst viele dieser Projekte im ländlichen Raum verhindern können.