Neuer Besitzer gesucht:

DDR-Staatsjacht unter dem Hammer

Die ehemalige DDR-Staatsjacht "A.Köbis" kommt unter den Hammer. Das Schiff war der Polit- und Wirtschaftsprominenz als "Amtszimmer auf See" vorbehalten. Die Nachfrage sei groß.

Die ehemalige Staatsjacht der DDR "A.Köbis" heute "Vineta" auf dem Gelände der Volkswerft in Stralsund. Sie  wurde im Oktober 1974 getauft.
Stefan Sauer Die ehemalige Staatsjacht der DDR "A.Köbis" heute "Vineta" auf dem Gelände der Volkswerft in Stralsund. Sie  wurde im Oktober 1974 getauft.

Das maritime Interieur ist gepflegt, der Maschinenraum atmet Geschichte: Am Kauf der früheren DDR-Staatsjacht "A.Köbis" aus der Insolvenzmasse der P+S-Werften gibt es offenbar großes Interesse. Bislang hätten mehr als 100 Interessenten das Exposé über das traditionsreiche Schiff angefordert, sagte Kai Rocholl von der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG (NDGA).

Rund ein Dutzend Interessenten hätten das 1974 erbaute Schiff besichtigt, darunter Vertreter von Unternehmen, die die Jacht als Konferenzschiff nutzen wollen. Das 36 Meter lange Schiff, das ab 1998 der Hegemann-Gruppe gehörte, soll am 7. Dezember versteigert werden. Das Mindestgebot liegt bei 34 000 Euro.

Die Insolvenzverwaltung sei verpflichtet, einen Vermögenswert der insolventen Werften bestmöglich zu verwerten, begründete Hans-Jürgen Hergert von der Insolvenzverwaltung Brinkmann & Partner die Auktion. Es wäre schön, wenn die Jacht ihre Tradition als Tagungsschiff fortführen könnte, so sein Wunsch.

Ein fünf Jahre altes Gutachten schätzt den Wert der Jacht auf etwas mehr als 200 000 Euro. Zuletzt stach das Schiff im September 2013 in See, als sich eine tatarische Holding für den Kauf der P+S-Werft in Stralsund interessierten. Seitdem liegt das Schiff an Land.

Die "A.Köbis" war eine von vier DDR-Staatsjachten, auf der Mitglieder des Ministerrates bis 1989 auf Berliner Gewässern in lockerer Atmosphäre Gespräche mit Staatsgästen führten und Verträge abschlossen. Es galt als eine Art "Amtszimmer auf See".

Als Fahrgastschiff taugt die Jacht nicht

Wie Mitarbeiter der Insolvenzverwaltung recherchierten, hieß es im Bauauftrag zur Verwendung: "Staatsyacht, Reeder: Ministerium für Staatssicherheit, Abteilung für Personenschutz". Ob DDR-Staatschef Erich Honecker das Schiff nutzte, ist nicht belegt.

Auch nach dem Ende der DDR trug das Schiff zu Auflockerung von offiziellen Terminen bei: Ein Bild vom 1. August 2002 zeigt den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD ) zusammen mit dem damaligen Werfteneigner Detlef Hegemann an Deck des Schiffes.

Hegemann hatte das Schiff nach dem Kauf für 1,5 Millionen D-Mark (750 000 Euro) von Grund auf überholen lassen. Neben der Brücke ließ Hegemann das gesamte Interieur erneuern.

Als Fahrgastschiff war die Jacht nie in Betrieb, sondern immer der Wirtschafts- und Politprominenz für entspannte "Get Togethers" vorbehalten. Auch heute sind die Nutzungsmöglichkeiten deshalb beschränkt: Als Fahrgastschiff könnte es nur nach großen Umbauten genutzt werden. Außerdem ist das Schiff nicht hochseefähig.

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