Hilfe für Flüchtlinge:

Demokraten gegen Nazis in Bützow

Nach dem Abtritt des Bürgermeisters im sachsen-anhaltinischen Tröglitz wegen Neonazi-Anfeindungen ist man andernorts achtsam geworden. Zum Beispiel in Bützow, wo rund 100 Flüchtlinge leben.

Der 36-jährige ukrainische Flüchtling Maxim Gulchak arbeitet in der Holzwerkstatt des Berufsbildungsvereins.
Jens Büttner Der 36-jährige ukrainische Flüchtling Maxim Gulchak arbeitet in der Holzwerkstatt des Berufsbildungsvereins.

In der mecklenburgischen Kleinstadt leben 7500 Einwohner – und seit Kurzem rund 100 Flüchtlinge. Schloss und Rathaus sind herausgeputzt, in der Hauptstraße reiht sich Geschäft an Geschäft. Viele pendeln zur Arbeit nach Rostock oder Hamburg, erzählt Bürgermeister Christian Grüschow (parteilos). „Bützow hat sich gut entwickelt“, bilanziert er. Umso überraschter war er, als am Wochenende eine von Rechtsextremisten organisierte Demonstration mit teils fremdenfeindlichen Sprüchen vor eine der Flüchtlingsunterkünfte zog.

In Windeseile organisierte das Bündnis „Eine Blume für Bützow“ eine Gegendemo. Obwohl die Rechten ihre Kundgebung nur 48 Stunden zuvor angemeldet hatten, mobilisierte das Bündnis immerhin noch rund 50 Leute. Britta Schacht, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, gehört zu den Gründern von „Eine Blume für Bützow“, als es voriges Jahr hieß, der Stadt würden 55 Asylbewerber zugeteilt.

Flüchtlinge können Fahrräder reparieren

Das Bündnis sammelte Bettwäsche, Spielzeug und andere Spenden, organisierte Deutschkurse, die pensionierte Lehrer geben. Als nächstes soll eine Fahrradwerkstatt entstehen. Die Reparatur alter, gespendeter Drahtesel und ihre Instandhaltung – das sollen die Asylbewerber dann selbst leisten.

Bürgermeister Grüschow betont, seine Stadt sei nicht ausländerfeindlich. „Die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen ist nicht schlecht“, sagt er. Die meisten Teilnehmer der Rechten-Demo seien auch nicht aus Bützow. Aber einige wohnten eben doch in der Stadt.

Demokratie muss Rechten Grenzen aufzeigen

Nach dem Aufzug war Britta Schacht drei Tage lang unwohl. Sie selbst habe zwar bislang keine Drohungen erhalten, sagt sie. „Aber ich weiß von anderen, die welche bekommen haben.“ Die Berichte aus Tröglitz in Sachsen-Anhalt, wo der Ortsbürgermeister nach rechtsextremistischen Anfeindungen zurückgetreten war, geben vielen hier in Bützow zu denken.

Peter Müller hat keine Angst. „Diese gehirnamputierten Rechten“, sagt der 72-jährige Sozialdemokrat. „Denen muss die Demokratie viel deutlicher sagen: Bis hier und nicht weiter.“ Der Geschäftsführer des Bützower Berufsbildungsvereins hat Arbeit für Flüchtlinge organisiert. Er ist voll des Lobes. Pünktlich seien sie, arbeitsam und kreativ. Müllers Projekt bietet seit Jahresbeginn 50 Flüchtlingen Beschäftigung. In der Tischlerwerkstatt stellen sie von Holzlöffeln bis zu Kleinmöbeln alles her. Ende April läuft das Projekt aus. Und dann? „Dann stellen wir einen neuen Antrag. Wir wollen das weitermachen.“

Weiterführende Links

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung

Kommentare (2)

Herr Bürgermeister Grüschow betont ,seine Stadt ..... Der Herr Bürgermeister,wurde von den Bürgern für eine Amtszeit als Bürgermeister gewählt und ist ein Diener für die Bevölkerung. Hier von seiner Stadt zu sprechen,finde ich schon sehr anmaßend. Aber so ist die politische Kaste eben.

Es ist völlig normaler Sprachgebrauch von "seiner" Stadt zu sprechen wenn man sich mit dieser identifiziert und hat nichts mit Besitzanspüchen zu tun haben. Also mal immer locker durch die Hose atmen ...