Freie Republik gibt sich Verfassung:

Demokratie der anderen Art

Es gibt Bürger der Freien Republik, einen Tag der Republik und ab Sonntag sogar eine Verfassung. Auf einer kleinen Gutsanlage in Vorpommern wird ausprobiert, wie Deutschland funktionieren könnte.

Das Gutshaus soll der zentrale Anlaufpunkt in Klitschendorf werden.
Matthias Diekhoff Das Gutshaus soll der zentrale Anlaufpunkt in Klitschendorf werden.

Die Wahlen sind gelaufen. Der Bürger kann sich entspannt zurücklehnen. Er hat sein Demokratie-Ding für dieses Mal gemacht. Jetzt sind die da oben dran – Das findet Harald Siebler überhaupt nicht. Der Berliner Filmemacher ist vielmehr der Meinung, dass die Bürger dafür verantwortlich sind, was in diesem Land passiert. Sie allein und nicht die Politik, der es doch viel zu sehr um Geld, Macht und Eitelkeiten gehe. Um zu zeigen, dass es auch anders geht, hat er mit Gleichgesinnten vor drei Jahren auf einem fast verfallenen Gutshof zwischen Anklam und Greifswald etwas abseits der Bundesstraße 109 die Freie Republik Klitschendorf ausgerufen.

Grund- und Menschenrechte

Diese Republik will sich am Sonntag eine Verfassung geben, zumindest das erste Kapitel, die Grund-und Menschenrechte, sollen dann verabschiedet werden. In der Einladung zur Veranstaltung heißt es: „Seit über 20 Jahren warten die Menschen in der neuen Bundesrepublik vergeblich auf die ihnen im Einigungsvertrag versprochene Verfassung. So lange wollen wir in der Freien Republik Klitschendorf nicht warten.“ Für die Diskussion über den Inhalt der Verfassung konnte unter anderem Heiko Lietz gewonnen werden. Der Bürgerrechtler saß 1989 für das „Neue Forum“ am Runden Tisch und hat bereits Bundespräsident Joachim Gauck aufgefordert, endlich eine Verfassung für Deutschland auf den Weg zu bringen.

Dass das vielleicht etwas starker Tobak für einen sonnigen Sonntagnachmittag auf dem Lande ist, sieht Harald Siebler überhaupt nicht so. Natürlich könne man sich die Zeit auch mit Bier trinken vertreiben – oder aber an einer konkreten Utopie mitarbeiten. Die Freie Republik Klitschendorf will vor allem ein gesellschaftliches Labor sein, ein Mikrokosmos, in dem Dinge ausprobiert werden können und der im Idealfall Impulse an die Umwelt senden kann. Und sie will zeigen, dass Politik spannend, unterhaltsam und anregend sein kann. Und sogar Spaß machen. Denn bei allem Ernst, der hinter dem Projekt steht, sehen sich die Republikaner auch in der Rolle des Hofnarren, der Dinge aussprechen darf, die sich andere nicht trauen.

Vielfältige Begegnungen

Und Klitschendorf soll auch ein Ort sein, an dem die verschiedensten Menschen zusammen kommen und etwas miteinander erleben können. Die nächste Gelegenheit dafür wäre schon der morgige „Tag der Republik“. Perspektivisch soll unter anderem auch ein Kinoklub eingerichtet und therapeutische Arbeit mit Pferden angeboten werden. Regionale, kulinarische Genüsse sollen dort eine Heimat finden und auch Künstler, die mal in Ruhe arbeiten möchten.

Dass man von Klitschendorf aus die Welt nur Schritt für Schritt verändern kann, ist Harald Siebler allerdings auch klar. Ebenso verhält es sich mit dem Gutshaus und der Anlage herum. Doch wer die Anlage in den vergangenen Jahren gesehen hat, weiß, dass der Mann Worten auch Taten folgen lässt.

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