Kleingärtner in Neubrandenburg:

Der eigene Apfel ist doch der leckerste

Nirgendwo in Deutschland gibt es, gemessen an den Haushalten, so viele Kleingärten wie in Neubrandenburg. Zahlreiche Parzellen stehen jedoch leer. Warum aber lohnt es sich, die Arbeit auf sich zu nehmen? Ein junge Frau und ein älteres Paar berichten.

So lange wie möglich wollen Gerhard und Sonja Timm ihren Garten bewirtschaften. Sie haben sich vorsorglich für einen Seniorengarten entschieden.  
Susann Moll So lange wie möglich wollen Gerhard und Sonja Timm ihren Garten bewirtschaften. Sie haben sich vorsorglich für einen Seniorengarten entschieden.  

Lächelnd sehen sich Sonja und Gerhard Timm in ihrem Schrebergarten um. „Es gibt doch nichts Schöneres“, sagt die 73-Jährige mit Blick auf die vielen bunten Blumen. Seit mehr als 15 Jahren bewirtschaftet das Ehepaar das Stück Land in der Nähe des Neubrandenburger Reitbahnsees. Jedoch sind es nicht nur Rentner, die eine Parzelle im Kleingartenverein Nordpark 1 hegen und pflegen – auch jüngere Neubrandenburger können sich für die Gartenarbeit begeistern. So erntet zur selben Zeit etwa 100 Meter weiter die 28-jährige Nadine Geffe ihre eigenen Pfirsiche. Seit 2010 sind sie und ihr Mann Sven Kleingartenbesitzer.

Frisches Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten sei unbezahlbar, da sind sich Alt und Jung einig. „Das ist für mich wirklich bio“, sagt Nadine Geffe und Sonja Timm meint: „Die Äpfel von unserem Baum schmecken einfach viel besser.“ Das liege vielleicht daran, dass man in den eigenen Anbau viel Zeit und Arbeit investiert.

Im Sommer ist Familie Timm fast jeden Tag im Garten. Bereits am Vormittag machen die Beiden sich auf den Weg dorthin. Auch das Mittag kocht Sonja Timm dann in der kleinen Küche ihrer gemütlich eingerichteten Gartenlaube. Nach einem Mittagsschläfchen im Freien machen sie sich wieder an die Arbeit. Auf den 540 Quadratmetern haben die zwei Rentner den ganzen Tag über ihr Tun – besonders zu den Stoßzeiten im Frühjahr und im Herbst. „Jetzt muss gerade alles abgeerntet und schon mal winterfest gemacht werden“, erklärt Gerhard Timm.

Kleines Reich zum Entspannen

Den ganzen Tag können sich Nadine Geffe und ihr Mann Sven natürlich nicht dem Garten widmen, denn Beide sind berufstätig. „Deshalb sieht es bei uns nicht so ordentlich aus wie in manch anderem Garten“, gesteht die junge Frau. Nach der Arbeit schaffen sie es auch nicht immer, so bleiben oft nur die Wochenenden für die Gartenarbeit. Dann nutzen sie ihr kleines Reich aber ebenso zum Entspannen in der Natur und zum gemeinsamen Grillen mit Freunden.

Damit Sonja und Gerhard Timm ihren geliebten Schrebergarten noch lange behalten können, haben sie sich im Frühjahr die Genehmigung für einen Seniorengarten geholt. „Die Zipperlein stellen sich doch immer mehr ein“, sagt Gerhard Timm. So ein Kleingarten bedeutet eben doch ein viel Arbeit. Durch das Zugeständnis muss das Ehepaar nun keine Drittelwirtschaft mehr betreiben, es muss nur noch eine kleingärtnerische Nutzung erkennbar sein.

Ein Seniorengarten schafft Entlastung

Das junge Ehepaar Geffe dagegen muss wie alle anderen ein Drittel ihres Gartens mit Obst und Gemüse bepflanzen, ein Drittel für Zierpflanzen nutzen und nur der Rest darf in Rasenfläche oder Wege umgewandelt werden. Für sie prinzipiell kein Problem: Ihr Mann probiere gerne mit verschiedenen Gemüsesorten herum und sie ist für die Blumen zuständig, berichtet Nadine Geffe.

Familie Timm hat bisher noch nichts an ihrem Garten verändert und will es auch vorerst nicht groß. Da jedoch nur zehn Prozent der Parzellen in einem Verein als Seniorengarten ausgegeben werden dürfen, haben die Timms gleich nach dem Beschluss des Ministerium die Initiative ergriffen. Sie sind bisher die Einzigen im Nordpark 1, die diese Gelegenheit genutzt haben.

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