Prozess wieder aufgerollt:

Der Fischbrötchen-Krieg geht in die nächste Runde

Die gerichtliche Auseinandersetzung zum sogenannten Fischbrötchen-Krieg in Stralsund geht in die zweite Runde. Zum Start des wieder aufgerollten Prozesses fährt der Anwalt des Hauptbeschuldigten große Geschütze auf.

Der Fischbrötchen-Krieg beschäftigt das Stralsunder Landgericht.
Stefan Sauer Der Fischbrötchen-Krieg beschäftigt das Stralsunder Landgericht.

Fünf große Kisten Akten schleppen Justizangestellte am Dienstag in den Verhandlungssaal des Stralsunder Landgerichts. Mit noch einmal so viel Papier haben sich die Anwälte der drei Angeklagten für die Neuauflage des Prozesses zum sogenannten Fischbrötchen-Krieg gerüstet. Den inzwischen 31, 35 und 36 Jahre alten Angeklagten werden ein Übergriff auf Stralsunds Vize-Oberbürgermeister Heinz-Dieter Hartlieb (CDU), Brandanschläge auf ein Auto und einen Kutter, ein Buttersäureangriff auf ein Hotel sowie das Ablegen einer Bombenattrappe im Stralsunder Bauamt zur Last gelegt. Sie sollen laut Staatsanwaltschaft mit den Straftaten die Vergabe von Konzessionen für Fischbrötchen-Kutter im Stralsunder Hafen beeinflusst haben.

Verfasste die Großmutter das Drohschreiben?

Die Verhandlung startet mit juristischem Geplänkel. Der neue Wahlverteidiger des mutmaßlichen Kopfes des Trios stellt gegen den Vorsitzenden Richter Wolfgang Loose einen Befangenheitsantrag, weil das Gericht eine neue Pflichtverteidigerin für seinen Mandanten abgelehnt hatte. Zudem soll das Gericht die Hinzuziehung von Akten über einen Kronzeugen sowie ein Sachverständigengutachten über die Glaubwürdigkeit einer möglichen Zeugin verweigert haben. Über den Antrag soll später entschieden werden.

Bei der betreffenden Zeugin, die bislang noch gar nicht für die Prozess-Neuauflage geladen wurde, handelt es sich um die Großmutter des 36-jährigen Angeklagten, der am Morgen des 16. Augusts 2012 im Eingangsbereich des Stralsunder Bauamts eine Bombenattrappe mit 400 Gramm TNT-Sprengstoff und Zimmermannsnägeln, aber ohne Zünder abgelegt haben soll. Sie soll angeblich das Drohschreiben an Bausenator Dieter Hartlieb (CDU) geschrieben haben. Vor Gericht hatte die damals 75-jährige Frau aus Demmin seinerzeit die Aussage verweigert.

Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin gegen sie Anklage wegen Mittäterschaft erhoben. Vor dem zuständigen Amtsgericht hatte sie später aber gestanden, die Drohzeilen tatsächlich geschrieben zu haben. Demnach soll sie von einem der Angeklagten massiv unter Druck gesetzt worden sein. Über die Frau, die zu einer Geldstrafe von zehn Tagessätzen verurteilt wurde, wollte die Verteidigung nun ein Gutachten über deren Zeugentüchtigkeit erstellen lassen. Das Gericht lehnte ab.

Alle drei Angeklagten wollen schweigen

Alle drei Angeklagten kündigten an, sich nicht mehr zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Unterdessen regte die Strafkammer an, die Verfahren gegen zwei Angeklagte einzustellen und nur noch gegen den 31-jährigen Tatverdächtigen zu führen, der am 6. Juli 2012 den Bausenator überfallen und brutal zusammengeschlagen haben soll. Der seinerzeit zu drei Jahren Haft verurteilte Malchiner befindet sich inzwischen wieder auf freiem Fuß, nachdem der Bundesgerichtshof das Stralsunder Urteil aufgehoben hatte. Die beiden anderen Angeklagten sitzen noch mehrjährige Haftstrafen wegen anderer Straftaten ab. Der Prozess soll heute mit der Zeugenvernehmung des Vize-Oberbürgermeisters Hartlieb fortgesetzt werden.

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