:

Der Kampf gegen den haarigen Spinner

Sie ist ein kleiner Nimmersatt, aber alles andere als ein niedlicher Zeitgenosse. Die Raupe des Eichenprozessionsspinners ist ein gefährliches Insekt, das sich im Nordosten immer weiter ausbreitet. Die Behörden sind alarmiert.

Auch in diesem Jahr rechnen die Behörden mit einem Befall des Eichenprozessionsspinners. Pläne, wie man der Raupe zu Leibe rücken kann, werden derweil erarbeitet.
Patrick Pleul Auch in diesem Jahr rechnen die Behörden mit einem Befall des Eichenprozessionsspinners. Pläne, wie man der Raupe zu Leibe rücken kann, werden derweil erarbeitet.

In einem Bilderbuch für Kinder frisst sich die Raupe Nimmersatt durch viele Lebensmittel, ihr wird schlecht und sie entwickelt sich zu einem wunderschönen Schmetterling. Mit dem niedlichen Zeitgenossen aus dem Kinderbuch hat die Raupe eines Nachtfalters namens Eichenprozessionsspinner nichts gemein. Das gefräßige Insekt kann nicht nur Eichenbäumen, sondern auch dem Menschen gefährlich werden. Die feinen Brennhaare der Tiere können allergische Reaktionen, schwere Hautausschläge und sogar Atemnot auslösen.

In Brandenburg breitet sich das Insekt seit 2004 massiv aus. Aus diesem Grund will das dortige Umweltministerium befallene Eichen Ende Mai mit einem Schädlingsbekämpfungsmittel besprühen lassen. Doch vor den Landesgrenzen wird der Eichenprozessionsspinner nicht haltmachen, sind sich die zuständigen Umwelt- und Gesundheitsämter in Mecklenburg-Vorpommern einig. „Wir gehen sicher davon aus, dass er wiederkommt“, sagt Christian Moeller, Sprecher des Gesundheitsministeriums in Mecklenburg-Vorpommern.

Hubschrauber sprühten vergangenes Jahr Insektengift

Im vergangenen Jahr war vor allem der Landkreis Ludwigslust-Parchim betroffen. Dort flogen sogar Hubschrauber über befallene Bäume und spritzten Insektengift. Laut Achim Vietinghoff vom Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) handelt es sich dabei um das Biozid „Foray“. Das sei ein Mittel auf biologischer Basis, das für andere Insekten und für Menschen ungefährlich sei, sagt Vietinghoff. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurde 2014 auf einer Fläche von 1521 Hektar Mittel gegen die lästige Raupe gesprüht. Dabei seien Kosten von mehr als einer halben Million Euro entstanden, teilt das Gesundheitsministerium mit.

Ein Hubschrauber mit Insektengift ist dagegen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bisher nicht zum Einsatz gekommen. Dort ließ der Landkreis den Schädling an den befallenen Alleen im Bereich der Ämter Röbel und Mecklenburgische Kleinseenplatte absaugen. „Wir rechnen mit einem erneuten Befall und einer möglichen Ausdehnung“, sagt Haidrun Pergande, Sprecherin des Landkreises. Deshalb arbeiten Ordnungs-, Gesundheits- und Umweltamt an einem Plan zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners.

Laut LALLF-Mitarbeiter Vietinghoff breitet sich der Schädling überall dort stärker aus, wo Eichenalleen oder Eichen in der Nachbarschaft sind. Von befallenen Alleen, zum Beispiel im Bereich Wittstock, dringe der Eichenprozessspinner in Richtung Mecklenburgische Seenplatte vor. Je nach Wetterlage könne der Schmetterling weiter nach Osten oder nach Norden driften, sagt Vietinghoff. Dort, im Landkreis Vorpommern-Greifswald, ist der Eichenprozessionsspinner im vergangenen Jahr nur vereinzelt aufgetreten. „Wir sind guter Dinge, dass es dieses Jahr keinen großen Befall gibt“, sagt Landkreis-Sprecherin Anke Radlof.