9. November:

Der Norden gedenkt der Opfer der Pogrome

Vor 75 Jahren setzten die Nationalsozialisten Synagogen in Brand, zerstörten Geschäfte von Juden. Tausende von ihnen wurden verschleppt und ermordet. Viele Kommunen, Vereine und Kirchengemeinden in Norddeutschland erinnern an die Opfer.

Auf dem Jüdischen Friedhof in Rostock fand eine Gedenkveranstaltung der Jüdischen Gemeinde und mehrerer Kirchengemeinden anlässlich des 75. Jahrestages der Novemberpogrome von 1938 statt.
Bernd Wüstneck Auf dem Jüdischen Friedhof in Rostock fand eine Gedenkveranstaltung der Jüdischen Gemeinde und mehrerer Kirchengemeinden anlässlich des 75. Jahrestages der Novemberpogrome von 1938 statt.

Zahlreiche Kirchengemeinden, Städte und Kommunen in Norddeutschland haben am Wochenende an die Opfer der Novemberpogrome vor 75 Jahren erinnert. Einige Gemeinden feierten besondere Gedenk- und Mahngottesdienste, wie Nordkirchen-Sprecher Frank Zabel sagte. In anderen Kirchen in Hamburg, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern wurde eine Erklärung verlesen, die die Landessynode der Nordkirche im September beschlossen hatte. Darin bekundet die Kirche Scham darüber, „dass auch die ehemaligen Landeskirchen (...) zur Ausgrenzung, Diskriminierung, Vertreibung und schließlich Ermordung ihrer jüdischen Mitbürger (...) weithin geschwiegen haben, dass sie die Gewalt teilweise sogar billigten und sich durch eigene rassistische Rechtssetzung schuldig machten“.

In Schleswig-Holstein wurde in der Pinneberger Christuskirche am Samstag ein Gedenkgottesdienst abgehalten, der von der jüdischen und der christlichen Gemeinde getragen und vorbereitet wurde. Und in Flensburg gab es am Sonntag unter dem Titel „Der Morgen danach“ in der St. Nikolaikirche Musik und Zeitzeugnisse zum Gedenken an die Verwüstungen und die Opfer des Novemberpogroms. Die Landeshauptstadt will heute der Opfer der Nationalsozialisten gedenken: Unter anderem wird eine kostenlose Stadtrundfahrt zum Thema „Kiel im Nationalsozialismus“ angeboten.

In Alt-Strelitz wurde eine Gedenkstele enthüllt

Bereits am Samstagabend hatten Anwohner des Hamburger Grindelviertels mit Hunderten Kerzen an die von den Nazis ermordeten Juden gedacht. Unter dem Motto www.grindelleuchtet.de stellten sie die Kerzen an Dutzenden Stellen neben die Stolpersteine, die vor den Häusern auf die ehemaligen jüdischen Bewohner in diesem Viertel hinweisen. Am Sonntag gab es einen Rundgang „Weg der Erinnerung“ zu den Orten jüdischen Lebens und Leidens und einen Gedenk- und Mahngottesdienst in der Hauptkirche St. Katharinen. „In dem Gottesdienst wollen wir die Schuld von Volk, Staat und Kirche bedenken und gemeinsam den festen Willen bekunden, für die Würde eines jeden Menschen in unserer Stadt, in unserem Land und auf der Welt, wo immer sie bedroht ist, einzutreten“, hieß es in der Einladung.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es zahlreiche Aktionen, am Sonnabend in Rostock eine von der Jüdischen Gemeinde und mehreren Kirchengemeinden organisierte Gedenkveranstaltung. Zudem sollte am Sonntag an der Gedenkstele für die ehemalige Synagoge in der Augustenstraße 101 an die Zerstörung der Synagoge erinnert werden. Die Namen der Rostocker Juden, die Opfer der Nazis wurden, sind verlesen worden.

In Alt-Strelitz, einem Stadtteil von Neustrelitz, ist am Sonntag eine Gedenkstele enthüllt worden, die an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt erinnern soll. Das Metall-Kunstwerk ist 2,30 Meter hoch und mit den Namen von 40 ehemaligen jüdischen Einwohnern versehen.

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 hatten Nationalsozialisten einen Großteil der mehr als 1200 Synagogen und jüdischen Gebetshäuser in Deutschland zerstört. Tausende andere jüdische Einrichtungen und Geschäfte wurden verwüstet und geplündert. Bei der Terrorwelle wurden nach Einschätzung von Historikern mehr als 1300 Menschen getötet und mehr als 30 000 Juden in Konzentrationslager verschleppt. Die Pogromnacht gilt als Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung.

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