Bundesagrarminister zu Besuch an der Ostsee:

Des Fischers Probleme mit dem Öko-Siegel

Fisch ohne MSC-Zertifizierung lässt sich nur noch schwer vermarkten. Besonders hart trifft das die Stellnetzfischer. Während einer Kutterfahrt auf dem Greifswalder Bodden kündigt der Bundesagrarminister Hilfe an.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) besuchte am Montag die Fischereigenossenschaft Freest.
Stefan Sauer Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) besuchte am Montag die Fischereigenossenschaft Freest.

Christian Schmidt (CSU) brachte nur wenig Zeit mit. Gerade mal eine gute Stunde blieb für den geplanten Törn, zu dem EU-Abgeordneter Werner Kuhn (CDU) auf den Peenestrom eingeladen hatte. Das reiche doch gerade mal, um aus dem Hafen in die Fahrrinne zu kommen, schimpft Peter Labahn. Also steuert der 57-jährige Fischer seinen Kutter „Brigitte 2“ nur mal kurz in den Greifswalder Bodden, während an Bord die großen Probleme der ostdeutschen Heringsfischerei zur Sprache kommen.

Zusammen mit seinen Brüdern Bodo und Udo gehört Peter Labahn  zu den letzten der noch 25 Kutterfischer in Freest. Die Flotte gilt als größte in MV. Mit 2112 Tonnen Fisch landeten die Küstenfischer vom Peenestrom im vergangenen Jahr etwa ein Siebentel des gesamten Fangaufkommens vor der ostdeutschen Küste an. Fast 75 Prozent ihrer Einnahmen entfallen auf die Heringsfischerei mit Stellnetzen.

Stellnetzfischerei kann frühestens 2016 mit Siegel rechnen

Doch der Heringsabsatz stagniert, weil deutsche Handelsketten nur noch zertifizierten Hering abnehmen. Die dafür erforderliche MSC-Zertifizierung aber sei teuer, sagt Michael Schütt, Chef der Fischereigenossenschaft Freest. Allein die für 2015 geplante Voruntersuchung für alle Stellnetzfischer koste rund 60 000 Euro. Nachdem das Land für die Prüfung eines Öko-Siegels eine 50-prozentige Förderung in Aussicht gestellt habe, sollte sich auch der Bund mit einer Kostenbeteiligung zur traditionellen Heringsfischerei bekennen, fordert er.

Nach Angaben von Minister Schmidt werde die Zertifizierung für die Schleppnetzfischerei, die bundesweit etwa zwei Drittel der Heringsanlandungen ausmache, zum Jahreswechsel abgeschlossen. Die Stellnetzfischerei könne allerdings erst frühestens 2016 mit dem Siegel rechnen. Schmidt sicherte für die Prüfung wissenschaftliche Unterstützung zu und stellte zudem finanzielle Hilfe in Aussicht. Außerdem prüfe das Ministerium neue EU-konforme Sozialvergütungen für die kleine Küstenfischerei, um den Berufsstand über Generationen hinaus zu sichern.

Immer neue Auflagen der Seeberufsgenossenschaft

Als problematisch sehen die ostdeutschen Küstenfischer auch den Fischfang mit Schleppnetzen. Durch den Bau neuer Windparks und die Ausweisung von Meeresschutzgebieten drohten massive Gebietsverluste, warnten sie. Eine zeitlich befristete Sperrung von Teilen des Greifswalder Boddens, wie von Umweltschützer gefordert, wäre definitiv das Aus für die meisten Freester Fischer, warnt Schütt.

Sorgen bereiteten den Besatzungen auch immer neue Auflagen der Seeberufsgenossenschaft. Beispielsweise müsse jetzt für jeden Kutter ein sogenannter Kränkungstest durchgeführt werden, anderenfalls drohe die Einschränkung des Fahrbereichs. Das Verfahren sei teuer, sagte Schütt. „Wir verstehen aber nicht, warum es zum Beispiel keine Ausnahmeregelung für Neubauten gibt.“

Nach Einschätzung von Kuhn werden die ostdeutschen Fischer künftig zumindest mehr Planungssicherheit haben. Der Ostseebewirtschaftungsplan, der ihnen langjährig weitgehend stabile Fangquoten für die wichtigsten Fischarten garantiere, werde voraussichtlich im späten Frühjahr 2015 dem EU-Rat zum Beschluss vorlegt.

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