Museum untersucht Wale:

Detektivarbeit am Seziertisch

Es stinkt und es fließt Blut: Im Meeresmuseum wurden tote Schweinswale seziert. Kadaverschau und Gewebeproben sollen Forschern Aufschluss über Todesursachen geben.

Der Körper wird, bevor die Tiere seziert werden, von Tierärztin Vivica von Vietinghoff vermessen.
Stefan Sauer Der Körper wird, bevor die Tiere seziert werden, von Tierärztin Vivica von Vietinghoff vermessen.

Mit einem scharfen Messer zieht Tierärztin Vivica von Vietinghoff sichere Schnitte durch die graue Oberhaut des Schweinswalkalbes. Unter der ledrigen Haut klafft weißes Fett – auch Blubber genannt – auseinander. „Die Blubberdicke zeigt den Ernährungszustand des Tieres an“, sagt die Tierärztin und setzt ein Messband an. Drei Zentimeter beträgt die Fettschicht – dieser Schweinswal scheint gut genährt.

Der kleine 99 Zentimeter lange weibliche Schweinswal war am 28. August von einem Fischer vor Kühlungsborn in einem Stellnetz gefunden und beim Meeresmuseum abgegeben worden. An der Außenhaut finden sich Einkerbungen, die von Netzen stammen könnten. Die Organe des Tieres sehen auf den ersten Blick nicht krankhaft verändert aus. „Nach der Ausschlussmethode können wir vermuten, dass sich der Meeressäuger im Netz verfangen hat und dort erstickt ist.“

Meeresbiologen des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund untersuchen in dieser Woche ein Dutzend Schweinswalkadaver und eine tote Kegelrobbe, die 2014 und 2015 am Strand von Mecklenburg-Vorpommern oder in Netzen gefunden wurden. Mit der jährlichen Sektion wollen die Wissenschaftler nicht nur Daten über mögliche Todesursachen der einzelnen Tiere, sondern auch Informationen über eventuelle Auffälligkeiten in den Populationen sammeln. Vom Ernährungszustand der tot gefundenen Tiere könnten beispielsweise Rückschlüsse auf die Nahrungssituation der Meeressäuger gezogen werden, sagt der Kurator für Meeressäuger, Michael Dähne. Auch krankhafte Veränderungen an Organen und Geweben können so erkannt werden.

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