Skandale des Jahres:

Die fünf größten Aufreger in MV

Spitzenpersonal, dessen Familienname mit S beginnt, hatte 2014 gute Chancen, im Zusammenhang mit einem Skandal genannt zu werden. Der Nordkurier blickt auf ein turbulentes Jahr im Nordosten zurück

Diese Themen sorgten in den vergangenen Monaten in Mecklenburg-Vorpommern für einigen Trubel.
Archiv NK Diese Themen sorgten in den vergangenen Monaten in Mecklenburg-Vorpommern für einigen Trubel.

Hat sich der Chefprüfer des Landes verrechnet?

Ausgerechnet Tilmann Schweisfurth, der Hüter der Finanzen? Es sind schwere Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft Schwerin gegen den Chef des Landesrechnungshofes im Februar 2014 erhebt: Untreue und Betrug. Bereits seit 2013 hat sie nach einer anonymen Anzeige ermittelt, nun klagt sie Schweisfurth an.Der Rechnungshof weist alle Vorwürfe zurück. Er teile „die rechtliche Bewertung der Staatsanwaltschaft in keinem Punkt“, heißt es.

Der Anklage zufolge soll Schweisfurth zwischen 2010 und 2013 Lehraufträge an der Universität Rostock wahrgenommen haben. In die Vorbereitung der sieben Veranstaltungen soll er sechs Mitarbeiter seiner Behörde in deren Dienstzeit einbezogen haben. Sie haben laut Anklage etwa 500 Stunden für die Lehrtätigkeit ihres Chefs gearbeitet, wurden in der Zeit aber aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Dem Landeshaushalt seien rund 14  000 Euro Schaden entstanden, so die Ermittler.

Eine ganz windige Geschichte

Mit Windeseile vom Ministersessel in die gut bezahlte freie Wirtschaft: Nur wenige Monate nachdem der langjährige Chef des Energieressorts und Landtagsabgeordnete Volker Schlotmann (SPD) sein Regierungsamt niedergelegt hat, verabschiedet er sich am 7. März auch aus dem Parlament. Und verduftet als Kommunikationsdirektor in ein Unternehmen der Windenergiebranche – genau die, die er zuvor massiv gefördert hat.

Was fast alle Beobachter dabei auch gallig kommentieren – Schlotmann hatte für seinen Verzicht gesundheitliche Gründe genannt. Im Landtag führt die Chuzpe des Ex-Ministers zu einer erbitterten Debatte über Karenzzeiten für Spitzenpolitiker. Gefordert werden mehrere Jahre Frist, ehe ein solcher Wechsel möglich ist. Das scheitert an der SPD-CDU-Mehrheit.

Erwin und das böse Wort

Dass Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) bundesweit in die Schlagzeilen gerät, ist eher selten. Damit aber hat er es geschafft: Das böse Wort vom „Unrechtsstaat“ DDR kommt ihm nicht über die Lippen. Die Debatte setzt zum 25. Jubiläum des Mauerfalls ein und wird erbittert geführt. In der Politik, in der Gesellschaft, im Internet und im Nordkurier.

Während die einen erklären, dass Schießbefehl, Geheimpolizei, die führende Rolle nur einer Partei, Meinungsdiktatur und nicht vorhandene Gewaltenteilung sehr wohl den Begriff rechtfertigen, ist Sellering anderer Meinung. Sein Argument: Ein solch verkürzter Begriff werde der Lebensleistung vieler Ostdeutscher nicht gerecht.

Adel verpflichtet – einen Schweinebaron auch?

Im Gegensatz zu Erwin Sellering ist Schweinezüchter Adrianus Straathof seit Jahren in den Schlagzeilen – und zwar nicht nur bundesweit, sondern in ganz Europa. Der aus den Niederlanden stammende Unternehmer hat sich mit seiner Holding ein Imperium an Megaställen geschaffen. Immer wieder gibt es Vorwürfe wegen schwerer Verstöße gegen den Tierschutz. Drei der Ställe der Holding befinden sich in Mecklenburg-Vorpommern, in Alt Tellin, Medow und Fahrbinde.

Fernsehbilder tauchen auf, die in Sachsen-Anhalt die brutale Tötung von Ferkeln zeigen sollen. Straathof bestreitet die Vorwürfe. Dann Ende November der Paukenschlag: Der Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt verhängt ein Tierhaltungsverbot gegen den Unternehmer. Der legt rechtliche Mittel ein – inzwischen ist das Verfahren am Oberverwaltungsgericht Magdeburg anhängig.

Wer sorgte sonst noch für Wirbel?

Ach ja, es geht auch ohne S. Da ist ein Innenminister Lorenz Caffier (CDU), der das Hissen der schwul-lesbischen Regenbogenfahne an Rathäusern untersagt. Da ist ein Landeschef der AfD, der gemeinsam mit seinen Fraktionskollegen im Kreistag Vorpommern-Greifswald einem Antrag der rechtsextremen NPD zustimmt – und damit den bislang praktizierten Weg aller Demokraten verlässt.

Und schließlich ist da noch der Fall Michael Thomalla, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages MV: Der Nordkurier deckt die jahrelange Spitzeltätigkeit Thomallas für die Staatssicherheit auf. Der Geschäftsführer muss seinen Hut nehmen. Zu welchen Bedingungen – das bleibt geheim.

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